Partnerschaftliche Teilung wird gefördert, aber nicht überall praktiziert. - © apa/Keystone/Gaetan Bally
Partnerschaftliche Teilung wird gefördert, aber nicht überall praktiziert. - © apa/Keystone/Gaetan Bally

Wien. Jede Familie versteht unter Gleichberechtigung etwas anderes. Ob es besser ist, dass ein Elternteil zu Hause bei den Kindern bleibt oder ob beide berufstätig sein können, darüber scheiden sich auch im Jahre 2017 noch die Geister. Im Folgenden beschreiben zwei Familienväter ihren (Familien)-Alltag. Beide sind in der Struktur sehr ähnlich - und doch so unterschiedlich im Rollenverständnis.

Familie Huber: Er: Angestellter bei einer PR-Agentur, Bruttomonatsverdienst rund 3500 Euro. Sie: Teilzeitkraft im Verwaltungsbereich, Bruttomonatsverdienst: rund 1200 Euro.

"Montag, 5.40 Uhr. Der Wecker meiner Frau läutet. Sie steht auf und macht sich fertig. Um 6.20 Uhr muss sie das Haus verlassen, wenn sie ihre S-Bahn erwischen will, um pünktlich in der Arbeit zu sein. Sie arbeitet Teilzeit, drei Tage in der Woche. Die anderen Tage nutzt sie für ihr Studium.

6.20 Uhr ist genau die Uhrzeit, in der mein Wecker läutet. Eigentlich brauche ich ihn gar nicht mehr. Ich wache mittlerweile jeden Tag von selbst auf. Nämlich kurz vor 5.40 Uhr. Selbst am Wochenende. Ganz automatisch. Um 6.30 Uhr gehe ich in die Küche, räume den Geschirrspüler aus und beginne das Frühstück für mich und unsere beiden Söhne zu machen - sie sind 4 und 8 Jahre alt. Auch die Jausenbrote werden vorbereitet. Um 6.50 Uhr wecke ich die Kinder auf - Waschen, Anziehen, Zähneputzen. Wenn alles gut geht, sitzen wir um 7.15 Uhr beim Frühstück, um 7.35 Uhr verlassen wir das Haus, um 7.45 Uhr sind wir bei der Schule, um 8.15 Uhr im Kindergarten, und um 9 Uhr bin ich in der Arbeit.

Gegen 14.30 Uhr holt unsere Leihoma den Jüngeren vom Kindergarten ab, anschließend den Älteren aus der Nachmittagsbetreuung in der Schule, dann fährt sie mit ihnen zu uns nach Hause, wo meine Frau gegen 17.30 Uhr auftaucht. Den Kleineren bis zum Schluss im Kindergarten lassen wollen wir nicht, weil er dann der Letzte ist, der abgeholt wird - ab 16 Uhr ist kaum noch jemand dort. Wenn ich dann gegen 19 Uhr nach Hause komme, wird meine Frau gerade mit dem Kochen fertig. Wir essen gemeinsam, und um 20 Uhr geht’s dann ans Schlafengehen.

Ein ausgeklügelter Zeitplan, der täglich für beide Elternteile funktionieren muss. Wird ein Familienmitglied krank, gibt es Chaos - und es wird noch teurer: Drei Stunden mal drei Tage Kinderbetreuung bedeuten inklusive Fahrscheingeld etwa 100 Euro pro Woche. Das sind 400 Euro pro Monat - zusätzlich zur kostenpflichtigen Nachmittagsbetreuung (250 Euro) in der Schule. Insgesamt mehr als die Hälfte von dem, was meine Frau monatlich verdient. Fällt ein Elternteil aus, bedeutet das mehr Stunden Kinderbetreuung."

Familie Gruber: Er: Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, Bruttomonatsverdienst rund 12.000 Euro. Sie: Ehemals Controllerin in einem internationalen Konzern.

"Montag, 6.00 Uhr. Mein Wecker läutet. Leise stehe ich auf, damit ich niemanden aufwecke, mache mich fertig, lasse mir in der Küche einen Kaffee herunter und lese die Zeitungen. Um 6.30 Uhr gehe ich hinauf ins Schlafzimmer, um meine Frau aufzuwecken und mich zu verabschieden. Nachdem ich gegangen bin, macht meine Frau das Frühstück für unsere Töchter - 6 und 11 Jahre alt - und bringt sie anschließend in die Schule, dann geht sie meistens einkaufen, kümmert sich um den Haushalt, holt die Kinder nach der Schule wieder ab und unternimmt etwas mit ihnen. Glücklicherweise können wir uns den Luxus leisten, dass meine Frau nicht arbeiten gehen muss. Beziehungsweise sagt sie immer: ,Ich führe ein kleines Familienunternehmen, das ist mindestens genauso herausfordernd wie ein Job im Management-Bereich.‘ Das ist auch insofern gut so, weil wir beide der Meinung sind, dass unsere Kinder von niemandem Fremden aufgezogen werden sollen.

Natürlich bleibt die finanzielle Verantwortung ganz an mir hängen. Und die Kehrseite der Medaille ist, dass ich selten vor 20 Uhr nach Hause komme beziehungsweise auch viele Dienstreisen machen muss, sodass ich meine Kinder oft nur am Wochenende sehe. Aber das war in meiner Kindheit bei meinen Eltern auch nicht anders. Zwar hat es meine Frau probiert, auf Teilzeitbasis arbeiten zu gehen, aber der organisatorische Aufwand dafür war letztendlich zu groß - abgesehen davon, dass es für sie in dem neuen Unternehmen nicht mehr möglich war, als Teilzeitkraft ihre alte Führungsposition innerhalb der Branche wiederzubekommen. Es ist eben schwierig für Frauen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wahrscheinlich wäre es anders, wenn auch Männer Kinder bekommen könnten."

Umfangreiches Angebot


In unserer Gesellschaft gibt es mittlerweile ein umfangreiches Angebot, das Familien in der Bewältigung von Nachwuchspflege und Karriere unterstützt. Aber nicht alle nehmen das in Anspruch, wie das etwa bei Familie Gruber zu sehen ist. Sie hält an dem alten Rollenbild fest, wo der Mann das Geld heimbringt und die Frau sich um Kinder und Haushalt kümmert. Aber tut sie das, weil es noch immer zu wenige Angebote gibt, die Familien unterstützen - oder nur aus einer gewissen Gemütlichkeit heraus?