Wien. "Sehr geehrte Fahrgäste! Die U-Bahn-Linie U4 kann derzeit in beiden Fahrtrichtungen nur in unregelmäßigen Abständen fahren. Wir sind bemüht, die planmäßigen Intervalle rasch wiederherzustellen, und bitten um Ihr Verständnis." An diesen Satz mussten sich die täglichen Benutzer einer der meistfrequentierten Wiener Linien in den vergangenen Wochen gewöhnen. Störungen entlang der zum Teil veralteten Trasse sind quasi an der Tagesordnung: Schadhafte Züge, Signal- und Weichenstörungen, verzögerte Intervalle, Softwareprobleme, Gleisschäden, Fahrgast-Erkrankungen und Polizei-, Rettungs- oder Feuerwehreinsätze stellen die Geduld der U4-Passagiere immer wieder aufs Neue auf die Probe. Das nächste Mal dieses Wochenende, diesmal mit Ansage: Die U4 ist von Samstag bis Montag zwischen Schottenring bis Heiligenstadt nicht in Betrieb. Der Grund dafür ist die laufende Generalsanierung.

Eine Recherche der "Wiener Zeitung" dazu ergab übrigens, dass es ironischerweise ab Herbst 2016, nach Abschluss der ersten Sanierungstranche, bei der U4 wesentlich mehr Störungen gab als im Vergleichszeitraum 2015 vor der Generalsanierung. Besonders im Blickpunkt ist die hohe Zahl schadhafter Züge.

Dass sich die grüne U-Bahn zunehmend zum Problemkind der Wiener Linien entwickelt, sah man auch vorige Woche, als am Mittwochnachmittag zwischen Margaretengürtel und Landstraße im Zuge einer Störung der Strom abgeschaltet wurde. Die Folge waren leere Züge in teils stockdunklen Stationen, schreiende und entnervte Passagiere und überfordertes Personal. "Was soll das eigentlich hier?", fragte ein Passagier am Margaretengürtel lautstark. "Seid ihr nicht fähig, ein funktionierendes Krisenmanagement zustandezubringen oder zumindest rechtzeitig durchzusagen, dass ihr nicht fahren könnt?", fauchte er den Fahrer an, der neben dem leeren, unbeleuchteten Zug stand. Dessen gereizte Reaktion: "Na, glauben’s im Ernst, dass mir des Spaß macht, da ewig herumzustehen, oder wos?"

Fahrscheinkontrollen nach Warterei: "Gipfel der Frechheit"


Nur wenige Tage später sorgten erneut längere Intervalle für Grant bei den Fahrgästen. Nach einer Störung kommen zwar in der Regel mehrere U4-Garnituren in kurzen Intervallen, doch wollen die meisten wartenden Passagiere um jeden Preis in den ersten Zug. Als "Gipfel der Frechheit" bezeichnen manche Kunden, dass sie nach halbstündiger Warterei dann auch noch eine Fahrscheinkontrolle an der Zielstation über sich ergehen lassen müssen. "Das ist jetzt wohl ein Scherz, wollen die mich frotzeln?", ärgert sich ein Fahrgast, der bei einer solchen Schwerpunktkontrolle auch noch angepöbelt wurde. "Ich habe eine Jahreskarte und wurde wie der letzte Dreck behandelt."