Finanzielle Förderung


Viel Nachholbedarf gibt es auch in der Kulturszene der in Wien lebenden türkischen Community: "Kulturveranstaltungen für unsere Community in Wien sind sowohl künstlerisch als auch organisatorisch auf einem sehr niedrigen Niveau", klagt Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich. Türkische Pop-Stars und Musikdarbietungen würden - ähnlich wie bei den Balkan-Zuwanderern - die meisten in Wien lebenden Personen türkischer Herkunft anziehen. Ein oft unüberwindbares Hindernis, an dem viele gute Ideen oder Initiativen in diesem Bereich scheitern, ist die Finanzierung. Selbst ein oberflächlicher Blick auf Plakate von migrantischen Kulturevents zeigt eine große Zahl von Logos unter jeder Veranstaltung. Ohne Aussicht auf substanzielle Förderungen sind viele Veranstalter auf kleine Geldgeber angewiesen: Als Gegenleistung bekommen diese ein Logo auf Plakaten oder Flugblättern. Das bestätigt auch Birol Kilic: "Die meisten Sponsoren wollen ihre Logos auf Plakaten sehen, damit erledigt sich auch ihr Kultursponsoring".

Viele versuchen es auch bei der einheimischen Politik. Doch gerade von der Politik oder vom Staat Subventionen für anspruchsvolle Kulturevents zu bekommen, ist oft ziemlich schwer, weiß Kemal Smajic: "Unser Problem ist, das Verständnis der Politik für unsere Initiativen zu bekommen. Eine Folklore-Veranstaltung bzw. ein Konzert eines Pop- oder Folk-Stars ziehen nun einmal viel mehr Menschen an als eine Theatervorstellung, zu der "nur" 500 Menschen kommen, und da ist die Förderbereitschaft eher gegeben". Er plädiert dafür, dass die volle Bandbreite der Kultur der hier lebenden Bevölkerungsgruppen ernst genommen und entsprechend gefördert wird. Das steht allerdings nicht im Gegensatz zur proklamierten Kulturpolitik der Stadt Wien. "Unser Bestreben ist es, das gesamte Kulturangebot allen Menschen in Wien unabhängig von Herkunft und Zugehörigkeit zugänglich zu machen", sagt uns Renate Rapf, Mediensprecherin des Wiener Stadtrates für Kultur Andreas Mailath-Pokorny.

Ausländische Einflussnahme


Parallel dazu dotiert die Kulturabteilung der Stadt Wien im Rahmen ihres Referats Stadtteilkultur und Interkulturelles Kulturinitiativen, die speziell für Gruppen unterschiedlicher Nationalitäten und Herkunft eingerichtet werden, mit 8,9 Millionen Euro im Jahr. Laut Rapf ist damit die Interkulturalität und Internationalität des Wiener Kulturangebots längst nicht ausgeschöpft, denn die Stadt Wien finanziere auch andere Kultureinrichtungen und Festivals, die die Diversität der heutigen Gesellschaft widerspiegeln.

Finanzielle Mittel für migrantische Kulturevents in Wien kommen nicht nur aus Wien, sondern auch aus dem Ausland. In diesem Zusammenhang warnt der Obmann der Türkischen Kulturgemeinde vor einem Missbrauch von Kulturevents in Wien für die politische Mobilisierung in der Türkei: "Es gibt in Wien durchaus Vereine, die direkt von politischen Parteien aus der Türkei gegründet und finanziert werden. An ihren Kulturveranstaltungen wird auch um die politische Unterstützung in der Türkei geworben", so Kilic. Konkrete Vereine wollte er nicht nennen, spricht sich aber gleichzeitig gegen jeglichen politischen Einfluss aus der Türkei auf hier lebende türkischstämmige Zuwanderer aus.

Trotz der finanziellen Lage wollen die Kulturveranstalter nicht aufgeben. Birol Kilic verweist dabei auf von der Türkischen Kulturgemeinde bereits organisierte Konzerte und Ausstellungen, etwa in der Votivkirche oder im Jüdischen Museum. Kemal Smajic hat mit zwei Mitstreitern im Februar einen neuen Kulturverein auf die Beine gestellt: die Bosnisch-Herzegowinische Kulturplattform. Ziel sei, durch anspruchsvolle Kulturangebote von Zuwanderern einen kulturellen Austausch zu betreiben und ein besseres Miteinander zu fördern.