Wien. Noch kann man am Reumannplatz nicht einfach sitzen bleiben, um die neue 4,6 Kilometer U1-Strecke und fünf Stationen am Stück zu erkunden. Start der Fahrt mit Öffi-Stadträtin Ulli Sima, Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer und Unternehmensvertretern, die am Bau beteiligt waren, ist in der Wendeanlage.

Für die erste Station, Troststraße, gibt es, wie bei den anderen auch, noch keine Durchsage. Der Zug fährt durch. Aussteigen darf man nicht, die Station ist noch mit Baustellenzaun gesichert. Dahinter ist Putzpersonal am Werk. "Wie vor dem Wohnungseinzug machen wir noch eine Endreinigung", sagt Steinbauer.

In der Station Altes Landgut, gibt es dann die künftig längste Rolltreppe im Wiener U-Bahnnetz zu besichtigen: Auf 30 Grad Neigung lassen sich auf 50 Metern Länge 25 Meter Höhenunterschied bewältigen, etwas mehr als auf jener der U3 Zippererstraße, bislang die Spitzenreiterin.

"Eine Station auf Minus 3 wie diese, die Kabel auf Minus 4, noch dazu unterhalb der Autobahn durch, das war richtig herausfordernd", sagt Alfred Doppler, Manager bei der Cegelec, die die Elektrotechnik der Strecke installiert hat.

U-Bahn-Bau der Superlative


Wolfgang Prohaska, Strabag-Projektleiter, spricht von "Stahlbewehrung im Volumen des Eiffelturms", das sind 7300 Tonnen, die alleine in dieser Station verbaut sind. Sie verbergen sich in den 150.000 Kubikmetern Beton, für die mit 250.000 Kubikmeter Erde Aushub Platz geschaffen wurde. Man ist sichtlich stolz auf das neue Werk. Wiener-Linien-Direktor Eduard Winter will sich die Station nochmals an einem Austria-Match-Tag anschauen. Sie ist der Zubringer für die Fußballfans: "Das wird schon spannend."

Weiter geht es zur Station Alaudagasse, die die Per-Albin-Hansson-Siedlung an die Innenstadt anbindet. Die U1 fährt ab September in Stoßzeiten im 2:30-Minuten-Takt, sonst 3:45. Bis hierhin rechnet man mit 30.000 Passagieren täglich.

Jeder zweite Zug des neuen 600 Millionen Euro teuren Teilstücks fährt künftig weiter: Erst nach Neulaa, dann Oberlaa, wo Therme und Heurigen sind. Steinbauer ist zufrieden: "Dompfarrer Toni Faber kann sich hier künftig seinen Messwein in einer Viertelstunde holen, wenn er will."