Wien. Gestern stellte Verkehrsstadträtin Ulli Sima gemeinsam mit Wiener Linien Geschäftsführerin Alexandra Reinagl die Neustrukturierung der Straßenbahnlinien im 11. Bezirk vor: Zwischen U3-Station Enkplatz und Kaiserebersdorf soll am Gleiskörper des jetzigen 6ers künftig eine eigene Linie unterwegs sein. Auch der 71er, der jetzt nur bis zum Zentralfriedhof fährt, soll dann bis Kaiserebersdorf verlängert werden. Die Linie 6 gibt damit einen Teil ihrer Strecke ab und wird nur noch bis Enkplatz geführt. Welchen Namen die neue Straßenbahn bekommen soll, ist noch nicht geklärt, Linie 11 wäre aber denkbar. Eine Straßenbahnlinie mit dieser Bezeichnung fuhr bis 1974 zwischen Stadlauer Brücke und Friedrich Engelsplatz. Zur Namenswahl werde es online noch ein Public Voting geben, so Sima.

Zuverlässiger, weil kürzer


Der Baubeginn ist für nächstes Frühjahr geplant, die Fertigstellung könnte im Herbst 2018 stattfinden. Teilweise solle der bestehende Gleiskörper genutzt werden, heißt es seitens der Wiener Linien, zwei Schleifen müssten aber dazu gebaut werden. Neue Stationen soll es nicht geben: Die noch namenlose Linie soll dieselben Haltestellen haben, wie aktuell der 6er am Streckenabschnitt Simmering-Kaiserebersdorf. Zu den Kosten könne man derzeit noch keine exakten Angaben machen, meint Reinagl, sie schätze aber, dass sich diese auf etwa zwei Millionen Euro belaufen werden.

Dabei liegt die letzte Streckenreform für 6er und 71er noch gar nicht so lange zurück: Erst 2012 wurde die Linie 71 bis zur Börse und die Linie 6 bis Kaiserebersdorf verlängert. "Schneller, weil umstiegsfrei unterwegs", war damals das Motto der Wiener Linien. Heute ist vor allem die Störungsanfälligkeit der langen Strecken ein Problem. Mit einer eigenen Straßenbahnlinie möchte man dessen Herr werden. Der Vorteil einer solchen Änderung läge klar auf der Hand, so Sima. Mit einem eigenen Gleiskörper würde sich die Zuverlässigkeit auf dieser Strecke verbessern. "Mit der Neuordnung können wir eine von der Verkehrsanlage in anderen Grätzeln unabhängige Verbindung zwischen Kaiserebersdorf und der U3 ermöglichen", zeigt sich Reinagl überzeugt.

Bezirksvorsteher erstaunt


Eine bessere Anbindung der äußeren Bezirksteile an den öffentlichen Verkehr ist schon länger Thema in Simmering. Sowohl die Bezirkspartei der SPÖ als auch die der FPÖ hatten Petitionen für eine Verbesserung des Straßenbahnnetzes gestartet. Laut SPÖ-Abgeordnetem Ernst Holzmann sei das aktuelle Konzept aber auf Initiative der Sozialisten hin entstanden. Die Freiheitlichen hätten einzig die Verlängerung des 71er gefordert, das sei aber "maximal die zweitbeste Lösung", so Holzmann. FPÖ-Bezirksvorsteher Paul Stadler zeigte sich erstaunt ob des Straßenbahnprojekts, er sei nicht informiert worden. Trotzdem zeigte er sich am Montag durchaus erfreut: "Ich bin für alles, was eine Verbesserung für den Bezirk bedeutet." Die Verkürzung des 6ers sehe er jedoch als Verschlechterung. Auch die ÖVP Simmering begrüßt die neue Streckenführung, man müsse jedoch beobachten, ob die präsentierten Pläne auch umgesetzt würden. Dafür braucht es nun noch die Zustimmung aus dem Bezirk.