Wien. "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht." Auf den Lippen von Khusen Khaydarov, Nurkhon Saidasanov und Imad Almunajid ist zu erkennen, wie sie laut zum Takt mitzählen. Aus den Boxen dröhnt Michael Jackson. Die Augen strahlen Konzentration und Freude zugleich aus. Der erste Durchgang ist geschafft. Erleichterung bei den Künstlern. Begeisterung, ob des gelungenen Durchgangs bei den verantwortlichen Trainern. Bald heißt es, vor Publikum zu tanzen und zu schwimmen. Das erste männliche Synchronschwimmteam Österreichs probt für die Aqua-Show "Menschen im Bad", die im Rahmen des Kulturfestivals "Wienwoche" das Floridsdorfer Bad mit Aktivismus und "Wasser-Politik ohne Grenzen" füllen soll.

Der Schauplatz für diese besondere Art des Aktivismus, das Floridsdorfer Bad, wurde aus mehreren Gründen gewählt: Grund Nummer eins war wohl, dass es das einzige städtische Bad in Wien ist, das über eine Zuschauertribüne verfügt. Und ein städtisches Bad musste es sein, wenn es nach der Initiatorin des Projektes "Menschen im Bad", Ursula Napravnik, geht: "Öffentlichen Bäder sind wichtig, da dadurch der Zugang zu Wassersport so niedrigschwellig ist", sagt Napravnik zur "Wiener Zeitung".

Floridsdorfer Bad feier


Bekannt wurde die Initiatorin des Projektes als ehemaliger Teil der Band "Drahdiwaberl". Sie war aber auch selbst Leistungsschwimmerin. Mittlerweile ist ihr ein aktivistischer Umgang mit dem Element Wasser wichtiger als ein leistungsorientierter. Daher bringt sie in unterschiedlichen Projekten Aktivismus, Politik und Wasser zusammen und freut sich, dass eines dieser Projekte mit dem 50. Jubiläum des Floridsdorfer Bades zusammenfällt. Mit der Grundsteinlegung 1964 und der Eröffnung am 6. Oktober 1967 war es das erste Hallenbad, das nach dem Zweiten Weltkrieg von der Stadt Wien erbaut wurde. Verantwortlich für den Bau zeigt sich der sogenannte "Bäderpapst von Wien", Friedrich Florian Grünberg. Insgesamt erbaute er zehn städtische Bäder in der Bundeshauptstadt.

50 Jahre später werden im Floridsdorfer Bad nicht nur Schwimmbahnen gequert, sondern auch "gequeert", zumindest wenn es nach dem Synchronschwimmteam "Queer H2O" geht: Bestehend aus drei geflüchteten und schwulen Männern, stellen sie das erste männliche Synchronschwimmteam Österreichs dar.

Denn Männer im Synchronschwimmen sind eine Seltenheit: Weiß man durch erste Erwähnungen im Jahre 1816, dass Synchronschwimmen und Kunstschwimmen eine reine Männersportart war, wurden diese ab 1907 zunehmend von Frauen verdrängt. Die Rückbesinnung auf die Anfangszeit des Synchronschwimmens kommt nur langsam, sagt Trainerin des "Queer H2O"-Teams Julia Nuler. Erst bei der Weltmeisterschaft 2015 in Russland hatten Männer - im Duett mit Frauen - wieder die Möglichkeit im Synchronschwimmen anzutreten.