Wien. Wenn man das Atelier von Waltraud Luegger im 4. Bezirk besucht, fühlt man sich zurückversetzt in eine andere Zeit. An den Wänden hängen goldene Bilderrahmen, auf den Arbeitsplatten stehen Heiligenfiguren und Kerzenleuchter, dazwischen Glastöpfe mit dicken Flüssigkeiten und jeder Menge Pinseln. Draußen schneit es und auch auf dem Boden im Atelier sieht es aus, als hätte es gerade geschneit. Allerdings nicht Schnee, sondern Blattgold, das die Besucher dann an ihren Schuhen in kleinen Fetzen bis hinaus in die Straße tragen, die passenderweise Goldeggasse heißt.

Dass das Blattgold am Boden nicht echt ist, stellt Waltraud Luegger allerdings gleich klar. "Damit würde ich vorsichtiger umgehen", scherzt die Branchensprecherin der Vergolder und Staffierer in der Wiener Wirtschaftskammer. "Es gibt auch Vergoldungen mit Blattgoldimitation."

Als Laie erkennt man den Unterschied schwer, eine Fähigkeit, die eben den Meister auszeichnet. Doch es ist essenziell zu wissen, was man vor sich hat, wie die Vergoldermeisterin festhält. Richtig bearbeiten kann man ein Objekt nämlich erst, wenn man weiß, woraus es besteht. Neben den Skulpturen und Bilderrahmen in ihrem Atelier führen Vergolder vor allem Restaurationsarbeiten in Kirchen oder Schlössern durch. Die Terrazzo- und Steinmetzmeisterin Gabriele Stuhlberger ist hingegen hauptsächlich auf Baustellen unterwegs. Entweder verlegt sie neue Terrazzoböden oder restauriert bestehende, in öffentlichen Gebäuden wie auch Privathäusern. Bereits ihr Vater und Großvater haben den Beruf ausgeübt.

Bei Waltraud Luegger hat das Vergolden keine Familientradition. Der Gedanke kam ihr als Kind während der zahlreichen Kirchenbesuche in ihrem Heimatort Wartberg im Mürztal: "Ich dachte, die Engelstatuen dort müsste man dringend restaurieren."

Jahrtausendelange
Tradition


Bereits seit der Antike gibt es die beiden Handwerke, deren Wissen und Können über viele Generationen weitergetragen wurde. So lautet im Wesentlichen die Definition der Unesco für immaterielles Kulturerbe. In Österreich allerdings wurden die beiden Techniken erst später populär. Das Vergolden war während des Barock und Rokoko gefragt, später dann wieder im Jugendstil und Art Déco. Der Terrazzo hatte seine Hochblüte im Venedig des 16. Jahrhunderts und wurde zu Zeiten der Habsburgermonarchie in Österreich populär. An der Herstellung habe sich bis heute nicht viel verändert, sagt Gabriele Stuhlberger: "Außer, dass der elektrische Strom erfunden wurde."