Wien/Vösendorf. Zahlreiche Unbekannte sollen das Zentrum des Wiener Tierschutzvereins (WTV) in Vösendorf in der Silvesternacht terrorisiert haben. Böller und Raketen seien in die Gehege und auch direkt auf einen Hund geschossen worden. Die Tiere seien schwer verstört, es werde Wochen oder Monate dauern, bis sie einigermaßen erholen, so die Darstellung des WTV. Hunderte "Freizeit-Pyromanen" hätten sich um Mitternacht rund um das Gelände versammelt und bis drei Uhr in der Früh "aus allen Rohren" gefeuert, heißt es in einer Aussendung. Der Verein spricht von einer "Horrornacht" für die Tiere.

"So schlimm wie heuer war es noch nie", sagte Oliver Bayer, Sprecher des Vereins, zur "Wiener Zeitung". Die Konsequenzen für die Tiere seien dramatisch. "Wir haben schon so einige ängstliche Hunde bei uns. Durch die Vorfälle hat sich das Ganze verstärkt. Das Training von Monaten und manchmal sogar Jahren ist dahin", so Bayer. "Zu vielen Hunden können unsere Pfleger nicht einmal mehr reingehen, weil die Tiere so verängstigt sind."

Exekutive widerspricht

Bereits am Sonntagnachmittag habe es einen Zwischenfall mit Knallern und Raketen gegeben. "Da wurde absichtlich direkt auf einen Hund geschossen." Bei dem Tier habe es sich um einen besonders schwierigen Hund gehandelt, der speziell betreut werden müsse. Zum Zeitpunkt des Eintreffens der Vösendorfer Polizei seien die Täter bereits über alle Berge gewesen, sagte Bayer.

Von dieser Anhöhe aus wurde laut WTV geschossen. - © WTV
Von dieser Anhöhe aus wurde laut WTV geschossen. - © WTV

Die Landespolizeidirektion Niederösterreich widerspricht den Darstellungen des WTV. "Drei Mal waren unsere Leute dort. Drei Mal haben sie keine Personen dort wahrgenommen", erklärte Polizeisprecher Johann Baumschlager am Dienstag.

Insgesamt seien drei Anzeigen im Zusammenhang mit dem Vorfall erstattet worden. Beamte hätten "mittleren bis starken Pyrotechnikeinsatz" nur in der weiter weg liegenden Umgebung des Tierheims auf Vösendorfer Gebiet (Bezirk Mödling) feststellen können. Verletzungen des Pyrotechnikgesetzes habe es nicht gegeben. WTV-Mitarbeiter hätten selbst ausgesagt, dass sie von Böllern nichts bemerkt haben, so Baumschlager.

"Das Pyrotechnikgesetz verbietet das Abschießen von pyrotechnischen Gegenständen in unmittelbarer Nähe von Tierheimen. Wenn die Beamten festgestellt hätten, dass jemand dort schießt, hätten sie diese Personen zur Anzeige gebracht. Das ging aber nicht, weil niemand da war. Die hundert Pyromanen waren nicht da." Er wisse nicht, aus welchem Beweggrund hinaus der WTV das behaupte. Der Polizeisprecher verwies darauf, dass der Wind den Lärm der Böller und Raketen von Weitem zum Heim getragen haben könnte.