Die Frauen hätten genau gewusst, auf was sie sich einließen, als sie ihre Heimat verließen, so der Rechtsanwalt: "Die sind mit Touristen-Visa gekommen und haben unter falschen Namen um Asyl angesucht."

Vor den Asylbehörden seien dann falsche Angaben gemacht worden. "Die Frauen haben etwa erzählt, dass sie in China Ketten mit Elfenbein verkauft haben und das schwer bestraft werde oder sie ihr Haus bei einem Erdbeben verloren haben", so Bernhauser.

Die Anklage erzählt hingegen eine andere Version: Sie wirft der angeblichen Bande vor, den Frauen in China gefälschte Visa ausgestellt zu haben, um ihnen die Einreise nach Österreich zu ermöglichen. Auch sei den Frauen von den mutmaßlichen Tätern genau vorgegeben worden, was sie den Asylbeamten sagen sollen.

"Sie war nicht so attraktiv"

Neben grenzüberschreitendem Prostitutionshandel, Schlepperei und Menschenhandel ist der Erstangeklagte auch wegen Vergewaltigung angeklagt. Er soll eine Prostituierte mehrfach missbraucht haben. "Er hat so viele hübsche Frauen, die für ihn arbeiten, warum soll der eine vergewaltigen? Der war ja nicht in einem sexuellen Notstand. Und sie war nicht so attraktiv", sagte Verteidiger Bernhauser.

Sein Mandant werde von den Frauen nur belastet, da es als Opfer eines Sexualdeliktes leichter sei, eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen. Auch herrsche im Rotlichtmilieu ein Konkurrenzkampf. Da komme es vor, dass gezielt falsche Anschuldigung lanciert werden würden.

Auch die anderen Verteidiger streiten die Vorwürfe gegen ihre Mandanten ab. So meinte die Verteidigerin einer Sexarbeiterin, die der Bande angehören soll: "Die Prostituierten kennen sich untereinander und sind vernetzt. Die brauchen keine Schlepper." Ihre Mandantin sei ein "Zugpferd" gewesen. Jeder Bordellbetreiber habe sie haben wollen. Deswegen habe es Streit mit anderen Prostituierten gegeben, die ihr den Erfolg neidig gewesen seien.

Angeklagt ist ebenfalls ein 60-jähriger Österreicher, der seit Februar 2016 eine mehrjährige Haftstrafe wegen Suchtgifthandels verbüßt. Der mehrfach vorbestrafte Jurist war zuvor in zwei bekannten Wiener Anwaltskanzleien als einfacher Mitarbeiter beschäftigt. Er soll sich den Frauen gegenüber als Anwalt ausgegeben haben. Pro Behördengang habe er von den Frauen 1000 Euro abgezockt, obwohl eine Prostitutionsbewilligung und entsprechenden Gesundenuntersuchung kaum bis gar nichts kosten würde, so Staatsanwältin Ranzdorf. Das sei eine Unwahrheit, erklärte sein Verteidiger Amir Ahmed. Sein Mandant habe den Damen nur geholfen. "Die Anklage ist schleißig", sagte er.

Angeklagte belastet Bande

Eine Mitangeklagte, die zugleich auch als Opfer geführt wird, belastete hingegen die anderen Angeklagten. Die Frau arbeitete als Prostituierte und gab an, unter falschen Versprechungen von der Bande nach Österreich gelockt worden zu sein.

Ein Urteil wird es wohl erst in einigen Wochen geben. Bis Ende März sind noch elf Verhandlungstage ausgeschrieben. Am Donnerstag wird die Hauptverhandlung mit den Einvernahmen der Angeklagten fortgesetzt.