Wien. Käfer auf der Semmel. Allein beim Lesen dieses Satzes verzieht sich das Gesicht, und Gedanken an ein ruiniertes Frühstück kommen auf. Mittlerweile muss es sich dabei aber nicht mehr zwingend um unerwünschte Tischgäste handeln. Vielmehr stellen die Insekten den Semmelbelag dar, beispielsweise als Pesto oder Aufstrich.

Der Feinkostladen Berber auf dem Naschmarkt bietet am Freitag und Samstag die Möglichkeit, Delikatessen der anderen Art zu probieren. Denn dort hat das Project "Zirp Insects" seinen ersten Pop-up-Imbiss errichtet und lädt zur Insektenverkostung. Neben vielfältigen Gerichten aus Würmern und Käfern ist Wiens erstes Insekteneis wohl das Highlight des Imbissstands. Das Erdbeereis mit karamellisierten Mehlwürmern wurde extra für das Event vom Eissalon "Schelato" kreiert.

"Zwei Milliarden Menschen essen jeden Tag Insekten. In Uganda sind Heuschrecken sogar teurer als manch andere Delikatesse, weil sie schwerer zu finden sind. Auch in Asien, Australien und Südamerika sind Insekten ein weit verbreitetes Nahrungsmittel. Nur Europa und Nordamerika hinken hinterher", erklärt Christoph Thomann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Gewöhnungsbedürftiger Snack

Der studierte Gesundheitsmanager arbeitet mit "Zirp Insects", das mit der Website www.insektenessen.at begonnen hat, seit Jahren daran, das Image von Insekten zu verändern: vom ekligen Ungeziefer hin zur schmackhaften und hochwertigen Eiweißquelle. In seinem Online-Shop bietet er Wanderheuschrecken, Mehlwürmer, Buffalowürmer und Heimchen an - als essfertige Snacks, Proteinriegel, Pesto und Kochgrundlage. "Wir essen nicht, was uns schmeckt, sondern uns schmeckt, was wir essen", sagt Thomann. Er ist sicher, dass es nur ein klein wenig Überzeugung brauche, um sich für Insekten als Snack zu begeistern.

Auch er selbst musste sich bei seinem ersten Bissen Heuschrecke überwinden, wie er sich erinnert. Hemmungen seien da sehr individuell. "Die einen mögen die Mehlwürmer nicht, weil sie die ekelhaft finden, und essen lieber Heimchen. Anderen wiederum sind die Heuschrecken zu groß zum Probieren, die trauen sich über die kleinen Würmer eher drüber", meint Thomann. Dabei sind die Krabbler wahre Proteinbomben. "Dazu sind sie noch bekömmlich, enthalten viele ungesättigte Fettsäuren, Aminosäuren und Vitamine.