Und Martin selbst? Er war ursprünglich selbst als Obdachloser ins Vinzibett gekommen. Der Mann, der da ruhig am Tisch sitzt, sieht eher aus wie der Nachbar von nebenan, der sich schnell in seine kurze Jogginghose und Shirt geworfen hat um etwas einzukaufen. Martin erzählt, dass er in Wiener Neustadt aufgewachsen ist und dort auch die Matura gemacht hat. Gleich danach begann er zu arbeiten, heiratete und führte ein geregeltes Leben. Dann begann eine Unglückssträhne, die ihn über Jahrzehnte verfolgte. Seine Frau starb. Doch Martin raffte sich auf. Er arbeitete weiter und verliebte sich irgendwann neu, heiratete und hatte einen Sohn. Schon bald mehrten sich die Rückschläge: Bei Martin wurde multiple Sklerose diagnostiziert, seine Firma musste Insolvenz anmelden, dann noch ein Herzinfarkt.

Vinzibett, ein neues Zuhause

Endgültig aus der Bahn warf Martin der Tod seines Sohnes, der mit 21 Jahren bei einem Autounfall starb. Martin versank in eine tiefe Depression. Er suchte sich psychotherapeutische Hilfe. Dann schien es bergauf zu gehen: Er fand eine neue Lebensgefährtin und zog mit dieser in eine Wohnung. Das Glück währte nicht lange und als die Beziehung endete, zog er aus. Der Weg in die Obdachlosigkeit war kurz. Anfangs übernachtete er in Hotels. Er suchte vergeblich eine Wohnung. Nach einiger Zeit ging ihm das Geld aus. So kam er ins Vinzibett. Als er genug zum Ausziehen angespart hatte, war die Einrichtung jedoch unterbesetzt. Er half aus, wurde Assistent der Obfrau und schließlich Leiter des Hauses. Mittlerweile ist er seit fast zwei Jahren hier und nennt das Haus "einen Ort, an dem ich mich wohl fühl‘". Martin wird dem Vinzibett wahrscheinlich noch lange erhalten bleiben.