Im Austausch und auf der Website des Projekts (aaa.klingt.org) wurden Ideen und Anregungen für Interventionen und Aktionen gesammelt, von denen es einige in die Videos geschafft haben. Die gesammelten Anregungen bedienen unterschiedliche Protestfelder und reichen von persönlichen Protesten wie Nachrichten auf dem Regenschirm oder den Vorhängen über das Anbringen von Graffiti mit abgelaufenem Lippenstift bis zu kritischen Texten über die Verbauung von Wohnraum für Luxuswohnungen an Baustellenwänden oder der "Verschönerung" von Verkehrszeichen.

"Umgekehrter Taschendiebstahl"


Viele Vorschläge sind harmlos und humorvoll: Etwa Menschen, die ihren Müll wegwerfen, darauf aufmerksam zu machen, dass sie etwas verloren haben; oder an Parkstrafen erinnernde Zettel mit Texten wie "Ihr Auto ist zu laut" hinter Scheibenwischer zu klemmen. Beim "umgekehrten Taschendiebstahl" werden Zettel mit konsumkritischen Nachrichten beispielsweise über unfaire Arbeitsbedingungen in die Einkaufstaschen anderer Menschen geschmuggelt und beim "umgekehrten Ladendiebstahl" wird alte Kleidung mit Nachrichten versehen in Geschäfte gehängt. Andere Interventionsanleitungen muten hingegen aggressiver an, wie das bewusste Streuen von Samen und Ködern in Hausmauern, um Tauben und Ratten zu renovierten Gebäuden zu locken. Wird auf eine alte Handtasche, die mit Plastikmüll gefüllt in einem Schaufenster platziert wird, statt "Recycling Fail" bewusst "Plastic Bomb" geschrieben, kann das auch die Polizei auf den Plan rufen.

Sind derartige Aktionen nicht bereits Gesetzesverstöße, etwa Sachbeschädigung? Handke betont, dass zwar bewusst Grenzen ausgelotet werden, jedoch ohne diese zu überschreiten und Gesetze zu brechen. "Eine Juristin, die uns berät, ist Teil des Projektteams."

Der Aspekt der Provokation bleibt trotzdem erhalten, wie beispielsweise im Fall jener Künstlerin, die auf der Straße auf dem Rad vor einem Auto in Schlangenlinien fährt und es so nicht vorbeilässt. "Das gehört nun einmal dazu. Die Leute, die mit ihren SUVs lauthals durch die Gassen im 6. Bezirk brettern, nehmen auch keine Rücksicht - wir haben nicht angefangen", meint Handke.

Auch bei dieser Aktion gehe es darum, sich ein Stück des öffentlichen Raums von den Autofahrern zurückzuholen - auch abseits von Begegnungszonen und Verkehrsberuhigung. Das funktioniere eben nicht, ohne unbequem zu sein. "Frauen haben sich im Lauf der Geschichte noch nie etwas erkämpft, indem sie lieb waren", ist Handke überzeugt.

Missionarscharakter hätten die Aktionen aber keinen. Die Projektleiterin sieht deren Sinn auch nicht darin, andere zum Umdenken zu bewegen, auch wenn damit durchaus Debatten angeregt werden können. Die Interventionen haben vor allem Selbstermächtigungs- und Anregungscharakter für die Ausführenden selbst.

Vernetzung
statt Missionierung


Für Handke ist der Gruppencharakter ohnehin das Wichtigste am Projekt: "Viele meiner Freundinnen, denen ich davon erzählt habe, waren begeistert und wollten mitmachen." Die Treffen, der Austausch und die Vernetzung untereinander seien für die engagierten Frauen ab 40 das Wertvollste, fügt sie an. Genau zu jenem Austausch "bei Kaffee und weißem Spritzer" sowie gemeinsamem Videoschauen wird im Rahmen der Wienwoche heute, Dienstag, und Donnerstag, jeweils von 18 bis 21 Uhr ins Hinterzimmer des Café Florianihof in der Josefstädter Florianigasse eingeladen.

Ungeachtet der Zielgruppe von "AAA!" sind alle Geschlechter und Altersgruppen willkommen. Der Eintritt ist frei, es wird jedoch gebeten, zum gemeinsamen Videoschauen eigene Endgeräte - egal ob Smartphone, Tablet oder Laptop - mitzubringen.

Videos zum Projekt unter:

https://aaa.klingt.org

Nähere Infos zur Wienwoche unter:

www.wienwoche.org