Henrie Dennis in ihrem Wrestling-Outfit für die heute stattfindende Veranstaltung. - © Afro Rainbow Austria
Henrie Dennis in ihrem Wrestling-Outfit für die heute stattfindende Veranstaltung. - © Afro Rainbow Austria

Wien. Intersektionalität: Mit diesem Begriff wird die Verschränkung von unterschiedlichen Diskriminierungsformen benannt. Das Geschlecht, die Herkunft, die Hautfarbe, die Religion oder auch die sexuelle Zugehörigkeit - all diese Merkmale können bei der Ungleichbehandlung einer Person zusammenwirken. Wie sich diese Verschränkung von Diskriminierungsformen im Alltag in Wien anfühlen, weiß die Aktivistin und U-Bahn-Führerin Henrie Dennis. Sie ist vor zehn Jahren von Nigeria nach Wien migriert, wird aufgrund ihrer Hautfarbe als afrikanisch gesehen, sie ist weiblich, spirituell und lesbisch. Und: Sie lacht viel und ist laut.

Ein langer Weg
zur Sichtbarkeit


Von Ungleichbehandlungen aufgrund ihres Migrationshintergrunds und gleichzeitig aufgrund ihrer sexuellen Orientierung betroffen zu sein, könnte in Wien theoretisch mehr als 80.000 Menschen betreffen. So leben in der Bundeshauptstadt rund 806.100 Menschen mit Migrationshintergrund. Etwa 10 Prozent von ihnen sind lesbisch, schwul oder bisexuell, schätzt Grünen-Bundesrätin Ewa Dziedzic. Sie setzt sich schon lange dafür ein, dass Mehrfachdiskriminierungen stärker thematisiert, Geschlecht, sexuelle Orientierung und die Herkunft zusammen gedacht werden.

2003 gründete sie "ViennaMix", den ersten Verein für LGBTI (lesbian, gay, bi, trans- und intersexuell) Migranten. "Damals gab es viel Häme und Unverständnis dafür. Heute sind das Thema und die Herausforderungen dahinter zum Glück sichtbar. Das war ein langer Weg", sagt Dziedzic.

Mit der Gründung des Vereins "Afro Rainbow Austria" vor rund einem Jahr will Henrie Dennis diese Themen speziell aus der Sicht afrikanischer Zugewanderter behandeln und Probleme aus ihrer eigenen Perspektive benennen - angefangen von den Kämpfen in Nigeria bis zu den Erfahrungen in Wien: Nigeria ist sehr religiös und von Männern geprägt, erklärt Dennis im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Sie selbst ist als Christin aufgewachsen und nach wie vor spirituell. Bereits Frauen würden als Menschen zweiter Klasse gelten. Dass sie lesbisch ist, mache das nur schlimmer. "Sexualität und vor allem Homosexualität wird in Nigeria als Sünde betrachtet, als wäre es dreckig. Und dann komme ich nach Österreich und hier fühle ich mich immer noch nicht akzeptiert", erzählt Dennis. Nur jetzt sind es vor allem ihre Herkunft und ihre Spiritualität, die zu Ausschlüssen und Vorverurteilungen führen.

Struktureller Rassismus in queeren Räumen


In ihrer Arbeit bei den Wiener Linien ist ihre Sexualität meist nebensächlich, von Beginn an hat sie sich geoutet. Auch den Anschluss zur LGBTI-Community in Wien fand Dennis rasch, doch meist war sie die einzige afrikanische Frau in diesen Räumen. Nur vereinzelt tauchten lesbische Afrikanerinnen auf. "Der Grund dafür war nicht, dass es keine gab", sagt Wiebach, "der Grund war struktureller Rassismus."