Das Bett von Frau M. überzog die Heimhilfe allerdings. "Wenn sie so rüstig ist, warum überziehen Sie dann ihr Bett?", fragt Richter Stefan Erdei. "Ich habe das gemacht, weil sie das verlangt hat", antwortet die Angeklagte.

"Bin ein nachsichtiger Mensch"

Im März 2016 machte der Krankenpfleger einen zweiten Besuch. Bei diesem zeigte sich Herr M. gar nicht mehr. Er habe gerade gefrühstückt und wolle nicht mehr rauskommen, habe ihm die Ehefrau versichert, so der Angeklagte. Auch habe ihn der Mann beschimpft und gesagt, er solle das Zimmer nicht betreten. Jeder habe das Recht, einen schlechten Tag zu haben, daher sei er dem Wunsch nachgekommen: "Ich bin ein nachsichtiger Mensch. Das ist mir auf den Kopf gefallen", sagt der Krankenpfleger.

Verdächtiges hat der Angeklagte damals nicht bemerkt. Bettlägerig sei Herr M. nicht gewesen, denn er habe gesehen, wie M. sich im Bett erhob, um in eine Harnflasche zu urinieren. Der Krankenpfleger räumt aber ein: "Durch diesen Fall ist viel zutage gekommen, das jetzt besser gemacht wird. Es wird mir nicht mehr passieren."

Die Heimhilfe und ihre Kolleginnen, von denen sie teils vertreten wurde, nahmen ebenfalls keine größeren Probleme wahr. Auch gerochen habe sie nichts, so die Heimhilfe. Einen Monat bevor die Sanitäter sich des Mannes annahmen, vermerkte sie in ihrer Arbeitsdokumentation: "Herr M. ist derzeit zufrieden."

"Hat schon gerochen"

Auch die beiden Söhne, die ihre Eltern täglich bis wöchentlich besuchten, geben an, nichts mitbekommen zu haben. Gegen sie und Frau M. lief ein Ermittlungsverfahren, das eingestellt wurde. "Es hat schon gerochen in der Wohnung, es ist mir aber nicht so aufgefallen", meint einer der Söhne.

"Ich war zu gutmütig. Ich habe mir nicht zu helfen gewusst", sagt die heute 74-Jährige. Wenn ihr Mann ihr etwas gesagt habe, dann habe sie sich dem gefügt: "Er hat alle beschimpft." Schrittweise habe sich sein Zustand verschlechtert. Geistig bergab sei es mit ihm gegangen, bettlägerig sei er geworden. Der Heimhilfe habe sie auch gesagt, dass sie nicht mehr könne - diese habe darauf aber nicht reagiert.

Verhandlung vertagt

Im November 2016 war die Situation dann so drastisch, dass Frau M. die Rettung rief. Die schockierten Helfer brachten den verwahrlosten Mann sofort ins Krankenhaus. Er hatte in den eigenen Exkrementen liegen müssen, die Haut hatte sich wegen dem langen Liegen teilweise von seinem Rücken gelöst. Mittlerweile befindet sich der Demenzkranke in einem Pflegeheim. Dort lasse er sich auch behandeln, erklärt Frau M. "Die Pflegerinnen haben mir gesagt, dass sie ihn anfangs zu dritt hochheben mussten."

Ein Urteil erging am Montag nicht, die Verhandlung wurde von Erdei auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Richter lässt noch ein Gutachten einholen, weitere Zeugen sollen befragt werden.