Sozialwohnungen werden hier an Touristen vermietet. - © Jenis
Sozialwohnungen werden hier an Touristen vermietet. - © Jenis

Wien/Linz. In der Causa um die Vermietung von gemeinnützigen Wohnungen an Touristen schaltet der grüne Klubobmann David Ellensohn nun die Staatsanwaltschaft ein. Angezeigt werden von ihm der Geschäftsführer Michael Tojner von Wertinvest sowie die Geschäftsführerinnen Theresia Kohlmayr und Ines Auerbacher von Urbanauts Hospitality. Laut der Sachverhaltsdarstellung, die der "Wiener Zeitung" vorliegt, geht es um gewerbsmäßigen Betrug und die missbräuchliche Verwendung von Sozialwohnungen.

Wie berichtet, werden in den beiden Wohntürmen an der Ecke Belvederegasse/Mommsengasse im 4. Bezirk Wohnungen auf der Internetseite www.etagerie.com zur kurzfristigen Anmietung angeboten. Betreiberin der Homepage ist die Urbanauts Hospitality GmbH. Beteiligt an der Urbanauts Hospitality GmbH sind etwa die Grätzl Betriebs GmbH mit Geschäftsführer Clemens Kopetzky und Wertinvest, das Immobilienunternehmen des Heumarkt-Investors Michael Tojner.

Die veranschlagten Preise liegen jedoch im Durchschnitt über dem zehnfachen Mietpreis, der erlaubt wäre. Die Wohnungen unterliegen schließlich dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) des Bundes. Der Vermieter darf von seinen Mietern daher nur höchstens 3,86 an Miete/Quadratmeter plus Betriebskosten (etwa 2,20 Euro/m2) plus zehn Prozent Umsatzsteuer verlangen.

Zu hoch vermietet

David Ellensohn. - © apa/Neubauer
David Ellensohn. - © apa/Neubauer

Auch im Fall der Wohnungen in der Unteren Donaulände 62-64, Ludlgasse 1-5, Honauergasse 3-11 in Linz ist die verlangte Miete zu hoch. Während die Miete laut ORF für eine 45 Quadratmeter große Wohnung höchstens 300 Euro pro Monat betragen darf, werden sie ab 450 Euro pro Woche angeboten. Die Wohnungen gehörten jahrzehntelang dem gemeinnützigen Wohnungsunternehmen Riedenhof Gesellschaft mbH. Vor mehr als einem Jahr übernahm Tojner die Gesellschaft.

Michael Tojner. - © apa/Hochmuth
Michael Tojner. - © apa/Hochmuth

"Die Geschäftemacherei mit gemeinnützigen Wohnungen in der Belvederegasse im 4. Bezirk oder wie in Linz bei der Donaulände muss gestoppt werden", sagt Ellensohn. "Leistbare Wohnungen müssen leistbare Wohnungen bleiben. Diese Geschäftemacherei gefährdet den gesamten gemeinnützigen Wohnbau in Österreich. Damit wären tausende Wohnungen betroffen."

Einig mit den Grünen zeigt sich die FPÖ: "Das ist nicht Sinn und Zweck der Wohnbauförderung", sagt der oberösterreichische Wohnbaulandesrat Manfred Haimbuchner im ORF. "Das Geld der Förderung soll für leistbares Wohnen verwendet werden."