Der Weißburgunder, auch mit seiner vornehmen Bezeichnung Pinot Blanc bekannt, ist eine Sorte, der in Österreich ein nicht geringer Stellenwert zukommt. Unter den Weißweinen rangiert er von der Anbaufläche her mit 4,2 Prozent an vierter Stelle. Er erbringt in allen Anbaugebieten sehr gute Resultate. Seit rund einem Jahrzehnt bemühen sich immer mehr Winzer um elegante Qualitäten. In der Premiumstufe kann die Sorte zur Höchstform auflaufen und mit den allerfeinsten Gewächsen mithalten.

Ebenso wie beim Grünen Veltliner gibt es auch beim Pinot Blanc Formate, die in ihrer "klassischen" (mithin preisgünstigen) Ausbaustufe großes Trinkvergnügen bereiten. Auf einen exzeptionellen Vertreter punkto Preis-Wert-Verhältnis sind wir in Mörbisch gestoßen, wo der Grenzhof Fiedler einen im Stahltank sowie im großen Holzfass gereiften Pinot Blanc anbietet. Aktuell im Sortiment ist zum sensationellen Preis von 6,20 Euro ein hinreißender 2019er, ein Jahrgang, den ich als den besten seit Jahrzehnten einstufe. Der moderate Alkoholgehalt sorgt für beschwingten Trinkfluss, wobei der Wein sowohl als anregender Begleiter bei der Konversation als auch in vielfältiger Weise als Speisenbegleiter, von Fisch- über Pasta- und Gemüsegerichten bis hin zu Fleischspeisen und diversen Strudeln tauglich ist.

Robert Zahornicky mit dem Pinot Blanc - © Nadja Büchler
Robert Zahornicky mit dem Pinot Blanc - © Nadja Büchler

Seit dem Jahrgang 2017 kooperiert Robert Zahornicky, Fotokünstler aus Pressbaum im Bezirk St. Pölten, mit dem Winzer Bernhard Fiedler aus Mörbisch am Neusiedler See. Ein wichtiger Teil der Arbeiten Zahornickys befasst sich mit der künstlerischen Reflexion der Natur. Bereits seit den 1990er-Jahren setzte die Auseinandersetzung mit dem Werkkomplex "Wildnisse" ein, der von Rezensenten mit Albrecht Dürers Aquarell "Das große Rasenstück" verglichen wurde. Ebenso wie Dürer greift Zahornicky aus der "wild" wuchernden Natur Versatzstücke heraus, generiert im Atelier durch artifizielles Arrangieren einzigartige Inszenierungen und eröffnet solcherart in origineller Weise Möglichkeiten kontemplativer Betrachtung von Naturschönheiten. Durch die Loslösung der Objekte aus dem Kontext der Natur und deren fotokünstlerische Präsentation möchte der Künstler die Betrachter dazu anregen, eine Reflexion über sich selber anzustellen.

Die auf den Flaschenetiketten aufscheinenden Bildnisse nennt Zahornicky, anknüpfend an die erwähnte Serie, "Bonsai Wildnisse". Jeder einzelne Jahrgang wird mit einem anderen fotokünstlerischen Motiv ausgestaltet. Zahornickys Etikettengestaltung zählt zum Feinsten, was punkto vinophiles Produktdesign aktuell vorhanden ist. Hingewiesen sei auch noch auf das kürzlich von Uwe Schögl in der "Fotohof edition" herausgegebene exquisite Kunstbuch "Robert Zahornicky. Polaroid Poems".

2019 Pinot Blanc (12,5 Vol. % Alk., ab Hof 6,20 Euro)
Kühlfruchtige Anlage, mannerschnittige Anmutung, hintennach auch Einsprengsel von grünen Äpfeln, pikant-salzige Nuancen, vergnüglich-erfrischender Charakter, lebendiges Säurespiel, balanciert, feine Zitrusnote im Nachhall.

Info zum Wein
Grenzhof Fiedler
7072 Mörbisch am See, Weinzeile 2
T. 02685/8276, www.grenzhof-fiedler.at

Info zum Künstler
Robert Zahornicky
3021 Pressbaum, Fünkhgasse 9/6
www.zahor.net

Print-Artikel erschienen am 11. September 2020
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 24–25