Nachdem die Hacker-Gruppe "Anonymous" Daten entwendete, informiert die GIS nun ihre Kunden. - © APAweb / KMA
Nachdem die Hacker-Gruppe "Anonymous" Daten entwendete, informiert die GIS nun ihre Kunden. - © APAweb / KMA
Wien. 214.000 Österreicher bekommen derzeit unerfreuliche Post von der Gebühren Info Service GmbH (GIS). Sie gehören zu jenen ORF-Kunden, deren persönliche Daten die Hackergruppe "Anonymous" im Juli gestohlen hat. Von rund 96.000 wurden auch die Kontonummern ergattert. Möglichkeiten für rechtliche Schritte gegen die GIS bestehen laut Hans Zeger von der ARGE Daten kaum. Sie haftet nur für Schäden und diese muss man beweisen können, so der Experte, aber: "Die GIS hat jetzt hier schon schlaflose Nächte"

"Als Betroffener habe ich relativ wenig Möglichkeiten", erklärte Zeger. Als Schaden gilt zum Beispiel, wenn von Kriminellen Geld abgebucht wird, wobei man gleichzeitig eine Minderungspflicht hat. Wenn Geld vom Konto verschwindet, darf man nicht einfach abwarten, sondern sollte sofort handeln. "Ich muss versuchen, die Auswirkungen zu beschränken. So gesehen ist der Brief ein guter Schutz für die GIS", meinte Zeger. Dort steht: "Dennoch bitten wir Sie, in den nächsten Wochen besondere Aufmerksamkeit walten zu lassen."

"Ich habe einen Schadenersatzanspruch und ein Schaden ist es auch, wenn ich das Konto wechseln muss oder andere zusätzliche Auslagen habe", so Zeger. Zeitaufwand wird nicht zurückerstattet. Generell rät er Betroffenen, sofort ihr Geldinstitut zu informieren. Sonst könnte es bei illegalen Abbuchen im Sinne der Minderungspflicht noch zu massiven Diskussionen kommen. "Auf der sicheren Seite ist man, wenn man es der Bank sofort sagt."

Der weitere Weg ist dann etwas komplex: Das Geldinstitut kann zu einem Kontowechsel auffordern, deren Kosten die GIS tragen müsste. Dies muss man dieser im Vorfeld ankündigen und sie zur Zahlung auffordern. Will die GIS nicht für die Gebühr aufkommen und lehnt den Kontowechsel ab, trägt sie für etwaige Schadensfälle die Kosten - ganz nach dem Motto "wir akzeptieren, dass ein Schaden entstehen kann, und übernehmen diesen dann". Wobei es ausreicht, der GIS einen kurzfristigen Entscheidungszeitraum von einem Tag zu gewähren.

Abseits davon müssen die Betroffenen abwarten - und werden vermutlich etwas zittern: "Ich kann mit der Kontonummer sehr viel Unfug machen - auch ohne online Banking-Zugang bzw. gestohlenem Passwort", warnt Zeger. So zum Beispiel Einziehungsaufträge, deren Höhe nicht begrenzt ist. Diese werden von der Bank ungeprüft durchgeführt. Der Kontobesitzer muss sie binnen einer bestimmten Frist beanstanden, dann kann das Geld zurückgeholt werden. Kriminelle holen sich laut Zeger in der Regel kleinere Geldbeträge, die nicht auffallen und versehen sie als Spende für einen sozial gut klingenden Verein oder - bei Männern - als Bezahlung für pornografische Dienste. Bei mehr als 90.000 Kontonummern könnte so eine stolze Summe zusammen kommen.