Die Auseinandersetzung zwischen Exekutive und der Hackergruppe Anonymous Austria ist um eine interessante Facette reicher. Nachdem die Staatsanwaltschaft Wien vor wenigen Tagen gemeldet hatte, dass  der Verfassungsschutz die Angriffe gegen die Webseiten von SPÖ, FPÖ und Grünen untersuchen wolle, kam es nun zu einer Antwort von Anonymous Austria.

Über den offiziellen Twitter-Account hat Anonymous Austria rund 25.000 Datensätze österreichischer Polizistinnen und Polizisten veröffentlicht. Unter den veröffentlichten Daten finden sich neben dem vollen Namen der betroffenen Personen, auch deren Geburtsdatum und Adresse.

Kein Hack
Wie von Seiten Anonymous vermeldet wurde - und entgegen ersten Medienberichten - sollen die 24.938 Datensätze nicht im Zuge eines Hacks erbeutet worden sein, sondern wurde der Gruppierung zugespielt. Nähere Details wurden bislang noch nicht veröffentlicht.

Da die Vorgehensweise auf einige Kritik gestoßen war - da man ja ziemlich wahllos private Daten veröffentliche, sah sich Anonymous  Austria genötigt eine Stellungnahme abzugeben. Darin wurde auf die Vorratsdatenspeicherung verwiesen und zynisch kommentiert, dass diese Personen doch ohnehin nichts zu verbergen hätten.

Bestätigung
Das Innenministeriums hat den Vorfall mittlerweile bestätigt, aber keine weiteren Details bekannt gegeben. Auch wolle man sich zu dieser Causa nicht weiter äußern.

Kritik kam umgehend von der FPÖ. Als "unglaublichen Skandal" bezeichnete der stellvertretende Vorsitzende des Datenschutzrates und Bundesvorsitzende der AUF, Werner Herbert, die Veröffentlichung der Daten. "Egal, ob die Gruppe Anonymous durch einen Internet-Angriff oder - wie von ihr selbst behauptet - aus internen Kreisen des Innenministeriums in den Besitz dieser Daten gekommen ist: Dieser Skandal muss umgehend und umfassend aufgearbeitet werden. Die Schuldigen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", fordert Herbert. Die Veröffentlichung ließe für die Vorratsdatenspeicherung Schlimmstes befürchten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Anonymus in Österreich zugeschlagen hat. Die SPÖ wurde ebenso gehackt wie die Grünen, die FPÖ und die GIS. Für die Behörden ist die Aufklärungsarbeit schwierig. Anonymous versteht sich nicht als Gruppe mit entsprechenden hierarchischen Strukturen, sondern als loses Netzwerk bei dem jeder mitmachen kann, der über entsprechendes Wissen verfügt.

Polizeigewerkschaft prüft Sammelklage

Die Polizeigewerkschaft überlegt, eine Sammelklage einzubringen. "Wir werden am Freitag darüber entscheiden", sagte Vorsitzender Hermann Greylinger. Stellen, die über sensible Daten verfügen, müssten nun alles unternehmen, damit solche "Leaks" nicht mehr vorkommen können. "Koste es, was es wolle", so Greylinger.