Wien. Dem Hacker-Kollektiv Anonymous ist es erneut gelungen, firmeninterne Daten zu veröffentlichen. Betroffen ist die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) – 6.200 Kundendaten wurden offengelegt. Geschäftsführer Gottfried Rücklinger bestätigte, dass die Server, von denen die Daten anscheinend stammen, abgeschaltet wurden und eine Untersuchung des Vorfalles im Gange ist. Gemäß seinen Angaben sind keine sensiblen Daten betroffen – maximal Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und IP-Adresse, heißt es seitens des Dachverbandes. Die betroffenen Server wurden zur Abwicklung von Bestellvorgängen verwendet. AnonAustria, der Österreichableger von Anonymous dementierte via Twitter einen direkten Hack, viel mehr stieß man auf einen Leak – die betroffenen Daten waren also bereits zuvor von anderer Stelle kopiert worden und seien nun via Google auffindbar. Veröffentlicht wurde der Zufallstreffer noch am Dienstagabend.


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Twitter-Seite AnonAustria
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Erst vor Kurzem hat AnonAustria alte Daten von Wiener Ministerien und Informationen über 600.000 Versicherte bei der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) veröffentlicht. Auch Letztere sollen auf ähnliche Art wie die Daten der WKO an die Hacker gekommen sein.

Währenddessen möchte Brüssel härter gegen Organisationen dieser Art ankämpfen. Hubert Pirker, Sicherheitssprecher der ÖVP fordert mehr Eingriffe der EU in solchen Belangen. Die vermehrt öffentlich gemachte Cyber-Kriminalität seit Anfang des Jahres führt nun zu härteren EU-Richtlinien. Pirker kritisiert das "Robin-Hood-Image", welches Anonymous gerne haben möchte und sieht Datendiebstahl oder die Veröffentlichung von geschützten Informationen nicht als Kavaliersdelikte. Eine "rechtswidrige Abfrage von Daten" als Strafbestand, so wie die Harmonisierung der EU-weiten Gesetze wären laut Pirker hier notwendig. Diese Schritte wurden im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens für "Angriffe auf Informationssysteme" vorgeschlagen.