Wien. Der chinesische Telekomkonzern Huawei forciert seine Marke in Österreich. In den nächsten drei Monaten sollen Huawei-Handys und ein Tablet-PC der Firma in Österreich auf den Markt kommen, kündigte Daniel Zhou, seit Mai 2011 Huawei-Österreich-Chef, am Mittwoch in Wien in einem Pressegespräch an. Das Unternehmen ist seit 2006 in Österreich aktiv, bisher aber zumeist als Technologie-Zulieferer für andere Marken.

  2010 machte Huawei-Österreich 74,7 Millionen Euro Umsatz, dieser soll heuer um 10 bis 15 Prozent steigen, so Zhou. Das Unternehmen beschäftige derzeit 89 Mitarbeiter, drei Viertel davon sind Österreicher. Über den Einstieg in den Endgerätemarkt soll es im nächsten Jahr zu einem Umsatzplus von 20 Prozent kommen. 2012 will Huawei in Österreich 500.000 Endgeräte verkaufen, darunter neben Handys auch Datensticks und Festnetz-Telefone. Dabei werde der Vertrieb über alle Kanäle angestrebt: Neben Telekom-Firmen und Elektronik-Märkten auch über den Lebensmittelhandel. Die Firma Lidl hat schon im August angekündigt, ab Herbst Huawei-Handys zu verkaufen. Seit 2006 habe Huawei in Österreich zwei Mio. USB-Modems verkauft, sagte Zhou.

120.000 Mitarbeiter  
Weltweit hat das 1988 gegründete Unternehmen Huawei 2010 28 Mrd. Dollar Umsatz gemacht, im ersten Halbjahr 2011 waren es 15,2 Mrd. Dollar (11,02 Mrd. Euro) . Der Gewinn machte im Halbjahr 12,4 Mrd. Yuan (1,42 Mrd. Euro)  aus. Bisher wurden heuer weltweit 45 Mio. Geräte abgesetzt, im gesamten Jahr sollen es 60 Mio. werden. Von den 120.000 Mitarbeitern sind 44 Prozent in Forschung und Entwicklung beschäftigt. Das Unternehmen habe bis Ende 2010 49.000 Patente eingereicht (17.765 wurden gewährt) sagte Zhou. Das Unternehmen stehe zu 100 Prozent im Eigentum der Mitarbeiter. Das heiße, das zwei Drittel aller Mitarbeiter Aktien besitzen, wer ausscheidet muss seine Anteilsscheine an den Gewerkschaftsfonds zurückgeben.

  Huawei macht sein Geld vor allem als Netzwerkausrüster, hat aber angesichts der boomenden Nachfrage nach Smartphones und Tablet-Computern auch die Verbrauchersparte ausgebaut.

Mobile Endgeräte und Breitband  
In Österreich will Huawei abgesehen vom Einstieg in den Markt mit mobilen Endgeräten und der Ausstattung des Breitband-Marktes auch mit Kooperationen mit technischen Lehranstalten punkten. Details wurden am Mittwoch aber noch nicht bekanntgegeben. T-Mobile arbeitet bei der Erneuerung ihrer GSM-Infrastruktur mit Huawei zusammen. In die österreichischen Schlagzeilen geriet das chinesische Unternehmen heuer auch, weil es laut Medienberichten eine Lobbying- und Provisions-Vereinbarung zwischen Huawei und der dem Lobbyisten Peter Hochegger zugeordneten zypriotischen Firma Astropolis gegeben hat.