Los Angeles. Microsoft ist die Werbekampagne in eigener Sache gelungen. Eine für heute, Montag, angekündigte mysteriöse Präsentation hat die Wellen in der Fachpresse und bei den Internet-Blogs hochgehen lassen. Was da wohl präsentiert werden wird? Ein Konkurrent für das erfolgreiche iPad von Apple wird erwartet. Die Präsentation ist in Los Angeles auf 15.30 Uhr Ortszeit angesetzt, in Europa wird es da bereits nach Mitternacht sein.

Dass sich Microsoft in den direkten Kampf mit Apple einlässt, ist aber eher unwahrscheinlich. Insider munkeln, dass sich der Konzern aus Redmond mit der Buch-Kette Barnes & Noble zusammengetan hat. Der Gegner wäre damit Amazons Kindle.

Wie reagieren Partner?
Sollte Microsoft tatsächlich ein Tablet unter eigenem Namen vermarkten, wäre es ein Schritt mit dem Risiko, die Partner des Konzerns zu verärgern. Hersteller wie Dell, HP und Acer wollen voraussichtlich noch heuer Tablets mit Microsofts neuen Betriebssystemen Windows 8 und Windows RT auf den Markt bringen. Mit Windows RT hat der Softwarekonzern erstmals ein Betriebssystem entwickelt, das auch auf den meist in Tablets eingesetzten Prozessoren des Chipdesigners ARM läuft.

Traditionell setzt Microsoft auf enge Partnerschaften mit Hardware-Herstellern und verdient sein Geld mit Software. Mit einer Ausnahme: Bei Spielkonsolen tritt das Unternehmen mit seiner selbst entwickelten Xbox 360 gegen die Konkurrenz an. Der Musikplayer Zune, den Microsoft vor Jahren als Herausforderer von Apples iPods herausbrachte, konnte sich nicht behaupten.

Von einer engen Verzahnung von Hard- und Software profitiert in der Regel der iPad- und Mac-Hersteller Apple, der die Komponenten damit besser aufeinander abstimmen kann. Branchenbeobachter spekulieren derzeit heiß, wie sich Microsoft mit einer Eigenentwicklung von den Geräten seiner Partner abheben könnte. Diese stehen ohnehin bereits unter Druck: Apple dominiert das Tablet-Geschäft mit großem Abstand zu seinen Verfolgern, zahlreiche Modelle mit dem Google-Betriebssystem Android haben die Kunden nicht überzeugen können.

Hoher Preis
Damit ein Tablet mit Windows 8 oder RT Erfolg hat, spielt der Preis der Geräte eine wesentliche Rolle, schätzen Analysten. Wegen spezieller Spezifikationen könnten die Hersteller ihre Geräte mit Windows RT allerdings kaum günstiger als für 600 Dollar (476 Euro) anbieten, prognostizieren die Marktbeobachter von IDC. Und damit könnten sie kaum gegen das iPad antreten. IDC gibt bisher keine Prognose für Marktanteile von Windows-Tablets ab. Im Rennen mit Android sehen die Experten Apple bis ins Jahr 2016 mit rund 60 Prozent vorn.

Ob Microsoft mit seinen Plänen überhaupt Apple und das iPad im Visier hat, bezweifelte allerdings Microsoft-Kennerin Mary-Jo Foley in ihrem Blog bei "ZDnet". Noch sei es einige Zeit hin bis zum Start von Windows 8 - und die Ankündigung am Montag könnte eher ein Gerät mit Windows Embedded oder Windows-Phone-Betriebssystem betreffen, so die Branchenkennerin. Sollte es sich tatsächlich um eine Art mobiles Lesegerät handeln, rechnet Foley eher mit einem Rivalen für das Kindle Fire, das abgespeckte Tablet des Online-Einzelhändlers Amazon.