"Wiener Zeitung":

Lässt sich Liebe berechnen?

Caroline Erb: Liebe ist natürlich ein Konglomerat aus ganz, ganz vielen Faktoren: Wie gut passen wir zusammen? Welche Interessen und Gewohnheiten treffen aufeinander? Stimmt die Chemie? Bei Parship gibt es einen Test mit 74 Fragen und insgesamt 400 Antwortmöglichkeiten, auf dessen Basis Partner vorgeschlagen werden.

Experten sagen, dass Partner sich ergänzen und nicht zu ähnlich sein sollten. Wie sieht das der Parship-Algorithmus?

Unser Test erfasst 32 Persönlichkeitsmerkmale, im Matching gibt es 136 Regeln. Zum Beispiel: Wenn der eine potenzielle Partner immer am anderen kleben will, der andere aber viel Freiraum braucht, werden sie eher nicht gematcht. Umgekehrt sind zum Beispiel bei der Durchsetzungskraft Gegensätze durchaus erwünscht, sonst streiten die Partner schon beim Frühstück, wenn zwei starke Persönlichkeiten zusammenkommen. Die Gewichtung liegt übrigens zu 75 Prozent auf der Persönlichkeit und zu je 12,5 Prozent auf Interessen/Vorlieben und Hobbys - bei denen sind wiederum Gemeinsamkeiten gut.

Wird beim Ausfüllen des Fragebogens geschummelt und beschönigt?

Bei Partnerbörsen, die rein auf Basis einer Selbstbeschreibung matchen, ist die Neigung zum Schummeln größer. Der Parship-Fragebogen enthält aber sehr viele projektive Fragen, mit Traumsequenzen und Bildern, Fragen zu Hobbys und Gewohnheiten. Wer da übertreibt, hat später beim Date Erklärungsbedarf. Ungereimtheiten werden in der Regel aufgedeckt. User, die etwas bezahlen und hohe Qualität dafür erwarten, schummeln aber ohnehin von sich aus kaum.

Was passiert mit den vielen Daten?

Wir veröffentlichen weder Name noch Adresse, Kontakt gibt es nur 1:1 über das interne System. Es kann also kein Mensch auf unserer Homepage fremde Profile ansehen - Stalking sollte somit nicht möglich sein. Bei unguten Situationen leiten wir entsprechende Schritte ein. Sexistische oder rassistische Meldungen werden sofort aussortiert.

Parship schlägt passende Kontakte vor. Versäumt man durch diese Vorselektion nicht Partner, mit denen es vielleicht klappen würde?

Man kann dafür Leute kennenlernen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Alle Kontakte sind geprüft und handverlesen. Die Online-Suche hat es vielen leichter gemacht. In der Altersgruppe 50-plus hat schon jeder Zehnte seinen Partner im Internet kennengelernt, insgesamt hat sich schon jeder fünfte Österreicher einmal via Internet verliebt.

Wie viele Vorschläge führen im Schnitt zum realen Kennenlernen?

Das ist ganz unterschiedlich: Wir empfehlen, mit dem Treffen nicht zu lange zu warten. Wer zu lange hin und her mailt, bekommt womöglich ein verzerrtes Bild vom "Traumpartner". 80 Prozent der Online-Paare haben sich nach spätestens einem Monat zum ersten Date getroffen. Die Erfolgsquote - also die Abmeldung, weil man einen Partner gefunden hat - liegt bei Parship bei 38 Prozent.

Wie viele User kommen nach einer Beziehung zu Parship zurück?

Das messen wir nicht. Natürlich ist davon auszugehen, dass sich auch Online-Paare trennen. Wer sich noch einmal anmeldet, sollte ohnehin ein ganz neues Profil anlegen, weil sich die Lebenssituation geändert hat.

Wer ist aktiver bei der Online-Partnersuche: Frauen oder Männer?

Männer sind viel aktiver, sie rufen dreimal mehr Profile auf als Frauen - Frauen wollen eher gefunden werden. Sie verhalten sich eher passiv und erwarten vom Mann den ersten Schritt, das kann aber auch ein Nachteil sein. Übrigens achten Frauen mehr auf die schriftliche Ausdrucksweise als Männer.

Wie haben Sie selbst Ihren Mann gefunden?

Über einen Freund, offline.

Zur Person



Caroline Erb

Die 38-Jährige ist seit Juni 2007 Psychologin bei Parship. Begonnen hat sie am Institut für angewandte Tiefenpsychologie, seit 2002 unterrichtet sie im SMZ-Ost das Fach "Kommunikation, Konfliktlösung, Supervision und Kreativitätstraining" und führt Jugendlichen-Workshops bei der Aidshilfe durch.