Immer mehr Unternehmen sind einer stetig wachsenden Bedrohung aus dem Internet ausgesetzt. - © APAweb/REUTERS/Lucas Jackson/Files
Immer mehr Unternehmen sind einer stetig wachsenden Bedrohung aus dem Internet ausgesetzt. - © APAweb/REUTERS/Lucas Jackson/Files

München/Hannover. Zahlreiche Unternehmen auf der ganzen Welt führen jeden Tag einen Krieg im Verborgenen. Immer häufiger müssen sie sich Hackerangriffen erwehren - in der Öffentlichkeit wollen sie das Thema dennoch gerne tot schweigen. Unter der Hand geben aber viele zu, dass ständig die Sorge wächst, Opfer von Datenspionage oder eines gezielten Angriffs über das Internet zu werden.

In Deutschland wagte sich als einer der wenigen Akteure die EADS -Rüstungssparte Cassidian aus der Deckung. Rund 350 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, um der Bedrohung aus dem Netz Herr zu werden. In den kommenden zwei Jahren soll sich die Belegschaft verdoppeln, weil Cassidian aus der Not eine Tugend macht: Die Erfahrungen aus der Cyberabwehr wollen die Oberbayern zum Geschäftszweig ausbauen und künftig Behörden oder Firmen Schutzmodelle verkaufen. Bereits heute macht die EADS-Tochter in Frankreich und Großbritannien 60 Millionen Euro Umsatz mit ihrer digitalen Defensivtechnik.

Immer mehr Bösewichte
MTU-Chef Egon Behle äußerte sich im Februar besorgt, dass immer mehr Bösewichte an die Daten des Turbinenherstellers wollen. "Das ist ein Thema, mit dem wir uns sehr ernsthaft beschäftigen müssen", sagte der Chef des Triebwerksbauers, der unter anderem Komponenten für den Eurofighter herstellt.

Tausende Angriffe - pro Tag
Interpol schätzt den Schaden, den Hacker in Europa anrichten, auf jährlich 750 Millionen Euro. Die Häufigkeit der Angriffe nimmt zudem zu. "Sie können davon ausgehen, dass jedes Unternehmen unserer Größe und auch kleinerer Größen regelmäßig angegriffen wird. Das heißt mehrfach im Monat", räumte BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel zuletzt ein. Andere Unternehmen berichten hinter vorgehaltener Hand von bis zu 10.000 gezielten Attacken unterschiedlicher Qualität - am Tag. Ein großer deutscher Finanzkonzern spricht von "stündlichen" Angriffen.

Eine Studie der Beratungsfirma PwC aus dem vergangenen Jahr ergab, dass 93 Prozent aller Großunternemen und fast drei Viertel aller kleineren Firmen bereits einen digitalen Einbruch verzeichneten. Der Schaden für den jeweils gravierendsten Zwischenfall lag demnach zwischen 127.000 und gut 400.000 Euro.

Einer Studie der Wirtschaftsprüfer von KPMG zufolge erwarten zwei Drittel der deutschen Firmen, dass die Bedrohung durch Cyber-Kriminalität in den kommenden zwei Jahren zunimmt. 80 Prozent der Unternehmen schätzen das Risiko für die Gesamtwirtschaft, Opfer einer Cyber-Attacke zu werden, als "hoch bis sehr hoch" ein.