Stephen Elop, CEO von Nokia, mit dem Lumia 920. Auch wenn das neueste Smartphone gute Verkaufszahlen aufwies, es werden immer weniger Handys verkauft. - © APAweb/Mark Lennihan/AP/dapd
Stephen Elop, CEO von Nokia, mit dem Lumia 920. Auch wenn das neueste Smartphone gute Verkaufszahlen aufwies, es werden immer weniger Handys verkauft. - © APAweb/Mark Lennihan/AP/dapd

Espoo. Nokia gerät immer stärker in die Krise. Trotz steigender Verkäufe seiner neuen Smartphone-Serie brachen die Einnahmen des finnischen Handy-Pioniers im Auftaktquartal binnen Jahresfrist um ein Fünftel auf 5,85 Mrd. Euro ein, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Nokia dämmte seinen Verlust zwar ein, blieb aber dennoch in den roten Zahlen. Der operative Fehlbetrag lag bei 150 Mio. Euro, im Vergleichszeitraum hatte der taumelnde Anbieter noch 1,33 Mrd. Euro Verlust angehäuft.

An der Börse warfen die Investoren ihre Aktien auf den Markt: Nokia-Papiere Nokia stürzten um bis zu 12,7 Prozent auf ein Fünf-Monats-Tief von 2,30 Euro, weil die Quartalszahlen schlechter als erwartet ausfielen. "Das Smartphone-Geschäft müsste schneller wachsen, um die Sparte profitabel zu machen. Sie müssten bei den Lumia-Telefonen die Absatzmarke von zehn Millionen Geräten pro Quartal erreichen", monierte Analyst Mikael Rautanen von Inderes Equity Research.

Immer weniger Handys
Die neue Flagschiff-Modellreihe der Finnen fand zwischen Jänner und März allerdings nur 5,6 Millionen Kunden. Gleichzeitig schwinden die Verkaufszahlen der herkömmlichen Handys rapide: Nokia setzte im ersten Quartal 30 Prozent weniger Apparate ab als vor einem Jahr. "Das ist schon etwas beunruhigend, da das Unternehmen sein Brot-und-Butter-Geschäft im billigeren Produktsegment macht", sagte Hakan Wranne von der Swedbank. Nokia setzt immer noch überwiegend einfache Handys ab. Deswegen sagen Analysten dem Konzern schwierige Zeiten voraus. Denn immer mehr Nutzer steigen auf die Alleskönner und Tablet-PCs um. Und mit Smartphones lassen sich deutlich höhere Preise erzielen.

Nokia hat hier den dominierenden Anbietern Apple und Samsung wenig entgegen zu setzen. Experten gehen davon aus, dass der US-Konzern zu Jahresbeginn knapp 37 Millionen iPhones verkauft hat und der südkoreanische Branchenprimus sogar über 61 Millionen Smartphones. Die Finnen haben sich mit Microsoft verbündet, dessen neueste Software beim Lumia verwendet wird, nachdem der Trend zu den internetfähigen Handys verschlafen wurde.

Einen Rückschlag musste Nokia zudem bei seiner Gemeinschaftsfirma Nokia Siemens Networks (NSN) hinnehmen. Der Umsatz des Netzwerkausrüsters schrumpfte überraschend um fünf Prozent auf 2,8 Mrd. Euro und kam nach mehreren profitablen Quartalen gerade noch auf eine schwarze Null. Für den deutschen Partner Siemens dürfte es nach diesem Signal wieder schwieriger werden, zumindest für seine Hälfte einen Abnehmer zu finden.

Mit den schwachen Zahlen wächst auch der Druck auf Nokia-Chef Stephen Elop. Nachdem er 2010 von Microsoft nach Espoo nahe Helsinki gewechselt war, entschied er Anfang 2011 den Umstieg auf die Software der Amerikaner. Zwei Jahre veranschlagte er als Übergangszeit. Diese Phase ist nun um. "Im Grunde bleibt ihm nur noch das zweite Quartal", warnte Fondsmanager Mikko Ervasti vom Vermögensverwalter Evli. Doch Elops Ausblick auf das laufende Quartal ist für Investoren wenig tröstlich. In der Handy-Sparte rechnet er weiter mit roten Zahlen. Samsung will unterdessen noch im April sein neues Smartphone Galaxy S4 auf den Markt bringen und rechnet mit einem Absatz von zehn Millionen Geräten - pro Monat.

Elop sagte, vor allem der harte Wettbewerb habe zu rückläufigen Handy-Zahlen geführt. Nokia müsse nun mit innovativen und günstigeren Produkten zurückschlagen. Neuerungen kamen zuletzt allerdings meist von Apple oder Samsung.