Brüssel. Die EU-Kommission macht einen Rückzieher bei ihrem Plan, Mobilfunk-Roaming zeitlich zu begrenzen. Es werde künftig keine Frist geben, in der die Mobilfunkkunden ihre Telefone im Ausland benutzen könnten, sagte der für den digitalen Markt zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip am Mittwoch.

Ursprünglich sahen die Pläne der Kommission vor, Roaming nur für 90 Tage im Jahr und lediglich 30 Tage am Stück zu ermöglichen. Verbraucherschützer hatten diese Fristen als zu kurz kritisiert. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte vor anderthalb Wochen angeordnet, den ursprünglichen Entwurf zurückzuziehen.

Nicht nur Roaming, auch Auslandsgebühren müssen weg

"Nicht nur die Roaming-, sondern auch die Auslandsgebühren beim Telefonieren müssen weg", fordert der Telekomsprecher der ÖVP im Europäischen Parlament, Paul Rübig, heute anlässlich des neuen Vorschlags der EU-Kommission für eine Fairness-Klausel beim Roaming.

"Für normale Bürger müssen die Roaminggebühren völlig wegfallen. Ich bin gegen jede zeitliche Befristung. Aber Regeln gegen kommerziellen Missbrauch kann ich mir grundsätzlich vorstellen", so Rübig, der als parlamentarischer Berichterstatter gemeinsam mit der ehemaligen EU-Kommissarin Viviane Reding maßgeblich an der Kostensenkung beim mobilen Telefonieren beteiligt war.

Ende vergangener Woche hatten Rübig und Reding gemeinsam einen Brief an Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker geschrieben, in dem sie fordern, dass die Fairness-Klausel, nicht zu einer zeitlichen Beschränkung des kostenlosen Roamings für Privatkunden führen darf, sondern vor allem auf möglichen kommerzielle Missbrauch abzielen solle.

Rübig hat nach seinem jahrelangen Kampf gegen Roaminggebühren, bereits den nächsten Gegner gefunden: die Auslandsgebühren. "Wenn ich von Linz nach München telefoniere, verrechnet man in der Regel immer noch mehr als wenn ich von Linz nach Wien telefoniere, dafür gibt es keine technische Rechtfertigung. Das ist auch nicht mehr zeitgemäß. Einfache, leistbare und effiziente Kommunikation ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass Europa weiter zusammenwächst", so der Politiker.