Salzburg. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bedient sich bei ihrer Propaganda offenbar auch verstärkt österreichischer Internetseiten. Wie die Onlinezeitschrift "Vice Alps" am Montag berichtete, waren es in den letzten Wochen und Monaten überwiegend österreichische Domains, die als Sprachrohr der IS-Agentur Amaq fungierten. Über Amaq bekennt sich der IS regelmäßig zu Anschlägen.

Als Registrierungsstelle für Internetadressen mit ".at"-Endungen dient die nic.at GmbH mit Sitz in Salzburg. Dort bestätigte man gegenüber "Vice Alps" etwa ein Dutzend Fälle. "Uns ist das Problem seit Mitte Jänner bekannt", teilte das Unternehmen mit. Man sei allerdings nur Vergabestelle und könne höchstens die Domain an sich im Wortlaut prüfen. Man habe nichts mit den Inhalten zu tun und könne dort auch nicht eingreifen, erklärte am Dienstag ein nic.at-Sprecher auch in den "Salzburger Nachrichten." Dafür seien in der Regel die Host-Provider zuständig. Es sei auch nie Geld vom IS nach Salzburg geflossen.

Zwölf österreichische IS-Seiten inzwischen gelöscht

Die nic.at arbeite aktuell mit inländischen und ausländischen Sicherheitsbehörden zusammen, um die Seiten so schnell wie möglich zu sperren. Zwölf österreichische IS-Seiten seien so mittlerweile gelöscht worden. Der Kampf dürfte freilich einer Sisyphos-Arbeit gleichen. Denn werde eine Seite gesperrt, wandere der gleiche Inhalt einfach auf die nächste Adresse weiter, so der Sprecher. Wegen der drohenden Sperren registriere der IS zudem viele verschiedene Adressen innerhalb kurzer Zeit.

Angemeldet werden die Domains mit falschen Daten. Das gebe der Salzburger Firma wiederum die Möglichkeit, die Adresse sofort zu sperren. "Weil dann ein eindeutiger Vertragsbruch besteht", so der nic.at-Sprecher in den "Salzburger Nachrichten". "Wir können dem IS das Leben nur so schwer wie möglich machen. Möglicherweise ziehen die Internetprofis mit ihren Propagandaseiten weiter. Sie suchen wahrscheinlich den Weg mit dem geringsten Widerstand."

Neben österreichischen Behörden und einem ausländischen Geheimdienst waren es zuletzt offenbar auch Hacker und andere Netzaktivisten, welche nic.at darauf aufmerksam gemacht haben, wenn Islamisten heimische Adressen verwendeten.