Santa Clara. (da/dpa) 1,5 Milliarden Menschen weltweit nutzen WhatsApp, 65 Milliarden Nachrichten werden pro Tag über den Online-Dienst versandt, der Facebook gehört. Dem Mutterkonzern haftet spätestens seit dem Skandal um Cambridge Analytica ein schlechter Ruf an; die Datenanalysefirma, die Donald Trump 2016 im US-Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte, saugte millionenfach Nutzerdaten aus Facebook ab. WhatsApp steht ebenfalls in der Kritik. In Brasilien hat der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro bei seiner Wahlkampagne in großem Stil auf den Nachrichtendienst zurückgegriffen.

Bolsonaros Kampagnenteam entwickelte ein Pyramidenpropagandasystem mit mehr als 2000 WhatsApp-Gruppen mit regionalen, kommunalen und internationalen Aktivisten. Dort brachten die Nutzer ihre Botschaften ungefiltert bei den Wählern an - in den allermeisten Fällen vulgäre Angriffe, Fälschungen von Fotos und Lügen. Die traditionellen Medien ließ Bolsonaro beiseite. Das hatte Erfolg, weil mehr als 40 Prozent der Wähler Informationen aus WhatsApp zur Grundlage ihrer politischen Entscheidungen machten.

Entscheidend für das Schneeballsystem der Gruppen ist, dass WhatsApp-Nutzer Nachrichten an bis zu 20 Personen weiterschicken können.

Von 20 auf fünf Personen

Damit soll nun Schluss sein, kündigt der Dienst in einem Blogeintrag an. Künftig soll nur noch ein beschränkter Kreis von fünf Personen adressiert werden können.

Mit der Restriktion reagiert WhatsApp insbesondere auf Vorfälle in Indien. Dort war es im vergangenen Jahr zu einer Reihe von Lynchmorden gekommen. Auslöser waren jeweils per WhatsApp verschickte Falschnachrichten. So wurde zum Beispiel ein gekürztes Video, das eigentlich von einer Organisation zur Aufklärung über die Gefahren von Kindesentführungen erstellt worden war, massenweise verbreitet. Das Ende des Videos, in dem die Kinder mit einer Warnung vor Fremden wieder zurückgebracht wurden, war herausgekürzt. In der Folge kam es zu dutzenden Angriffen von aufgebrachten Mobs auf vermeintliche Kindesentführer.

Größter Markt für WhatsApp

Lynchmorde hat es in Indien zwar auch schon zuvor gegeben, über Chat-Anwendungen wie WhatsApp können sich auf Falschnachrichten basierende Gerüchte jedoch um ein Vielfaches schneller verbreiten. Und das Land gilt mit mehr als 200 Millionen Nutzern als größter Markt für WhatsApp weltweit.

Im vergangenen Sommer hatte die indische Regierung das US-Unternehmen daher aufgefordert, sofort Maßnahmen zu ergreifen. Daraufhin führte WhatsApp einen Test zur Beschränkung der Funktion für Weiterleitungen von 20 auf fünf Nachrichten. Zudem wurde die Weiterleiten-Taste neben Mediennachrichten entfernt.

Über einen Zeitraum von sechs Monaten sei das Feedback von Nutzern ausgewertet worden, hieß es in dem Blogeintrag. Die Anzahl der weitergeleiteten Nachrichten sei damit "global erheblich reduziert" worden. "Wir haben uns für fünf entschieden, weil wir glauben, dass dies eine vernünftige Zahl ist, um enge Freunde zu erreichen und Missbrauch zu verhindern", sagte ein WhatsApp-Sprecher dem "Guardian".