Miriam Meckel, Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, verweist ebenfalls auf eine Reihe von Studien, die zeigten, dass weibliche Stimmen als angenehmer wahrgenommen werden als männliche. Deshalb sei die Voreinstellung bei allen Sprachassistenten weiblich.

Das Problem ist für Meckel, dass diese eine Servicefunktion übernehmen, die im täglichen Umgang dadurch mit weiblich verbunden wird. "Da zunehmend auch Kinder im Umgang mit Alexa und Co aufwachsen, kann das einen Einfluss auf das Geschlechterrollenverständnis einer Gesellschaft haben", erklärt die Buchautorin, die auch Gründungsverlegerin des Digitalmagazins "ada" ist.

Sprachassistentinnen sexuell belästigt

Besonders drastisch habe sich dieses Problem am Beispiel sexueller Belästigung gezeigt, so Meckel. "Tatsächlich müssen sich die Sprachassistenten da einiges anhören." Inzwischen arbeiteten die Hersteller daran, dass es darauf passende und nicht unangemessen höfliche Antworten gibt. "Macht man Siri heute ein unmoralisches Angebot, hört man: 'Die Antwort lautet nein.'"

Das zeigt laut Meckel: "Auch in der Kommunikation und Interaktion mit Softwaresystemen sind Umgangsregeln wichtig. Wir lernen ja nicht nur von Menschen, sondern inzwischen auch von Maschinen."

Auch Zeitansage weiblich

Für die modernen Systeme werden echte Stimmen genutzt, die dann technisch zu immer neuen Sätzen zusammengebaut werden. In der Technologie-Geschichte und in der Popkultur hat die Frauenstimme eine gewisse Tradition. Im Kinofilm "Her" (2013) verliebt sich Joaquin Phoenix in seiner Rolle in die Stimme eines Computersystems, gesprochen von Scarlett Johansson. Die Zeitansage am Telefon (ja, die gibt es noch) ist bis heute weiblich.

Die Berliner Forscherin Judith Meinschaefer erklärt das aus Sicht der Wissenschaft: "Frauenstimmen sind verständlicher als Männerstimmen." Das liege daran, dass die Stimmlippen schneller schwingen. Die Frequenz von Signalen sei höher.

Dass Computersysteme Frauen in eine Assistinnenrolle bringen, ist keine Sache für Meinschaefer als Wissenschafterin. Aber sie hat eine Vermutung als Frau: Wahrscheinlich liege es daran, dass Männer sich mehr für Technik begeistern, und es passe vielleicht in deren Weltbild. Technisch sei es kein Problem, wenn Männerstimmen genutzt würden, so Meinschaefer.

Siris und Alexas Großvater

Im Internet kann man sich anschauen, dass es auch anders hätte kommen können. Siri und Alexa haben einen Großvater, wie ein altes Video von 1992 zeigt. Darin führen der damalige Apple-Chef John Sculley und der Computerwissenschafter Kai-Fu Lee im Fernsehen ein Computersystem vor, mit dem man reden kann. Die Stimme klingt recht hoch. Aber das System heißt: Casper.