Wien. Täglich sterben in Österreich circa 220 Menschen. Angesichts der Tatsache, dass bereits jeder zweite Österreicher bei Facebook, Instagram oder Twitter angemeldet ist, kann man davon ausgehen, dass damit Tag für Tag etliche Social-Media-Konten verwaisen. Die wenigsten User haben sich zu Lebzeiten Gedanken über ihren digitalen Nachlass gemacht.

Doch das Internet vergisst nie, wie es so schön heißt. Angehörige, die nach dem Tod eines lieben Menschen ohnehin durch bürokratische Herausforderungen belastet sind, wissen allerdings oft gar nicht, welche Spuren die Verstorbenen hinterlassen haben, die nun gelöscht werden sollten. Wer weiß schon, welche Daten im Internet wo angegeben, welche Verträge abgeschlossen oder welche Konten angelegt wurden? Und wer verfügt zudem über Passwörter und anderen Zugangsdaten wie Benutzernamen?

"Eine schöne Erinnerung an den Menschen"

Es gibt auch User, denen es schlicht gleichgültig ist, ob ihre Spuren im Netz nach dem Tod zurückbleiben. "Wenn ich das unveränderte Profil meiner bereits gestorbenen Kollegin auf Facebook sehe, löst das bei mir ein befremdliches Gefühl aus, schließlich schaut es so aus, als wäre sie noch aktiv", sagt die Wiener Pianistin Nina Attorf. Hingegen meint die AHS-Lehrerin Cristina Intzés: "Alle Dinge ändern sich im Laufe der Zeit. Auch wenn es zuerst eigenartig erscheinen mag, wenn man einen toten Facebook-Nutzer entdeckt, ist es doch eine schöne Erinnerung an den Menschen." Donata Romizi, die an der Universität Wien Philosophie lehrt, stellt in diesem Zusammenhang fest: "Es ist seltsam, wie verliebt der moderne Mensch in sein eigenes Ego ist und nach dem Tod nicht aus der digitalen Welt verschwinden will. Man muss es aber so sehen: Wenn ein Mensch stirbt, wird für einen anderen Platz gemacht."

Mit dem Tod eines Nutzers werden dessen Profile jedenfalls nicht automatisch gelöscht. Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten, wie man mit hinterlassenen Daten im Internet umgehen kann: Man kann sie löschen, archivieren, an Angehörige, Erben oder Dritten übertragen oder erhalten beziehungsweise weiterführen. So werden oftmals Konten durch Freunde oder Familienmitglieder zur Erinnerung weiter betreut.

So auch bei Christian Z. (Name geändert): Der junge Vater wurde vor acht Jahren durch Komplikationen nach einer Routineoperation aus dem Leben gerissen. Seitdem führt seine Lebenspartnerin das Facebook-Konto weiter, auf dem sie regelmäßig aktuelle Bilder vom gemeinsamen Sohn und alte Erinnerungsfotos postet. Warum sie das tut, erläutert sie auf Facebook: "Ich mache das nicht nur aus Dankbarkeit für die Vergangenheit, sondern auch für seine ehemaligen Freunde, Kollegen etc., die uns damals so großartig unterstützt haben." Sie sollen wissen, dass es ihr und vor allem dem Sohn gut geht, und auf dem Laufenden bleiben.