Christchurch. Der Attentäter von Christchurch in Neuseeland, der 50 Menschenleben auf dem Gewissen hat, hat offenbar auch Österreich bereist. Auf seinem mittlerweile gelöschten Facebook-Profil finden sich laut einem Bericht des deutschen Online-Portals "t-online" Fotos von mehreren Orten in Österreich. Demnach besuchte Brenton Tarrant in Wien das Heeresgeschichtliche Museum und die Nationalbibliothek, Friesach in Kärnten, Klagenfurt, Salzburg, Steyr und Innsbruck.

Tarrant selbst ist auf den geposteten Fotos nicht zu sehen, weshalb es keine Bestätigung gibt, dass er die Fotos selbst gemacht hat. Allerdings haben bereits mehrere Länder bestätigt, Ziel von Tarrants Reisen gewesen zu sein, darunter die Türkei, Bulgarien und Israel. Laut dem Medienbericht folgte der australische Staatsbürger auf seiner Reise durch Europa "den Spuren der Kreuzritter".

"Er wollte berühmt werden"

Der 28-jähriger Australier sitzt in Untersuchungshaft. Ein 17-minütiges Video, in dem große Teile des Verbrechens zu sehen sind, kursiert immer noch im Internet. Am heutigen Mittwoch sollen zahlreiche Todesopfer - alles Muslime - in Christchurch beigesetzt werden.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern verzichtete in ihrer Rede darauf, den mutmaßlichen Attentäter beim Namen zu nennen. Sie sagte: "Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören." Ardern verlangte in ihrer Rede von den großen Internet-Konzernen wie Facebook und Google, ihrer moralischen Verantwortung gerecht zu werden und die Verbreitung solcher Videos zu verhindern. "Das darf kein Fall sein, in dem es allein um Profit geht, nicht um Verantwortung." Auch mehrere neuseeländische Netzbetreiber forderten von den Konzernen, mehr zu tun. Zudem zogen verschiedene neuseeländische Firmen wie eine Lottogesellschaft und Banken, die bei Facebook Werbung geschaltet hatten, ihre Anzeigen zurück.

Neuseeland hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen der Verwendung des Videos des Anschlags bei seinen Wahlkampfauftritten scharf kritisiert. Eine solche Politisierung des Massakers "gefährdet die Zukunft und die Sicherheit der neuseeländischen Bevölkerung und unserer Bürger im Ausland und ist vollkommen unfair", so Außenminister Winston Peters. Unterdessen droht der IS mit Vergeltung. Die "Anführer der Ungläubigen" hätten über die Opfer des "Massakers" nur Krokodilstränen vergossen, so IS-Sprecher Abu al-Hassan al-Muhadschir in einer Audiobotschaft.