Wien/Brüssel. Geht es nach der EU-Kommission, dann muss Europa im Hype rund um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) mit "vertrauenswürdiger KI" punkten. Die Präsentation von ethischen Leitlinien in Brüssel durch eine Expertengruppe soll die Weichen in diese Richtung stellen. Für den Technikphilosophen Mark Coeckelbergh braucht es rasch Regeln, sonst drohe der "Wilde Westen".

KI hat vielfach ein Imageproblem, fordert sie doch ihren Schöpfer genau auf dem Gebiet heraus, auf dem sich dessen Identität gründet - dem Denken. Dazu kommen erste Anwendungen, die durchaus dubios erscheinen: Etwa in Systemen zur Gesichtserkennung im öffentlichen Raum oder beim Einsatz von undurchsichtigen Algorithmen, die auf Social Media-Plattformen gehörig dabei mitreden, welche Informationen welche Nutzer erreichen.

Software trainierte sich selbst zum Schachmeister

Lösen herkömmliche technologische Ansätze mehr oder weniger gezielt Aufgaben nach unserer Vorstellung, können selbstlernende Systeme mitunter ihre eigene Herangehensweise an Probleme entwickeln. So trainierte sich etwa die Google-KI-Software AlphaZero im vergangenen Jahr scheinbar mühelos zum Schachmeister. Das gelang dem System, ohne Menschen beim Spiel zu imitieren. Lediglich die Basisregeln waren AlphaZero bekannt, alles andere lernte die Software in Hunderttausenden Matches gegen sich selbst.

Die Architekten von AlphaZero oder ähnlicher Systeme betonen, auch Grundlagen für Systeme schaffen zu wollen, die man auf weit allgemeinere Probleme ansetzen kann. Das könnten beispielsweise die Steuerung des Energiesystems oder autonomer Fahrzeuge oder die zukünftige Ausrichtung der Gesundheitsversorgung sein - so die ambitionierte Perspektive.

Leitlinien für moralische und gesetzliche Regeln

Legt der Mensch zukünftig Aufgaben und die damit einhergehenden Entscheidungen in die Hände von KI, muss sichergestellt werden, dass dies nicht abseits von Moral, ethischer Grundhaltungen und gesetzlicher Regeln geschieht. Die rund 50-köpfige Expertengruppe hat daher "Ethische Leitlinien für vertrauenswürdige KI" erarbeitet, wie die EU-Kommission in einer Aussendung mitteilte. Diese beinhalten etwa die Gestaltung und Kontrolle solcher Systeme unter menschlicher Aufsicht, das Achten auf Robustheit und Sicherheit, die Erfüllung von Datenschutz-Prinzipien, die Nachvollziehbarkeit der Arbeit der Systeme, die Nicht-Diskriminierung benachteiligter Gruppen durch die Entwicklungen, die Berücksichtigung gesellschaftlicher und ökologischer Konsequenzen von Technologien und eine Rechenschaftspflicht.