Auch Paul Lukowicz ist an diesem Abend ins Europaparlament gekommen. Der 51-Jährige ist Leiter des Forschungsbereiches Eingebettete Intelligenz am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. "Als ich ein junger Mann war, musste man, um nationale Aufmerksamkeit zu bekommen, zu einer Zeitung gehen. Da war ein Filter, der darüber bestimmt hat, wer Aufmerksamkeit bekommt", erinnert er sich. Heute sei das anders. Im Internet lasse sich mit der richtigen Technik Relevanz für etwas generieren, das bisher zurecht als völlig irrelevant gelte.

Allerdings, so Lukowicz, dürften Bots keineswegs nur verteufelt werden. "Interessant ist doch, dass wir in unserer Meinungsbildung entscheidend auf Bots angewiesen sind - nehmen Sie das Beispiel Google." Auch Suchmaschinen seien Bots, die sich durch das Netz wühlten und auf Basis von Algorithmen nach Relevantem suchten. In Zukunft, meint Lukowicz, würden wir noch viel stärker mit Bots kommunizieren. "Es geht also nicht darum, das Phänomen zu verweigern, sondern es so auszugestalten, dass es keinen Schaden verursacht."

Angst vor Desinformation

Genau über eine solche Gestaltung wird in Brüssel seit Monaten diskutiert. Denn die Sorge vor manipulativen Kampagnen ist vor der Europawahl besonders groß. Unter dem Schlagwort Desinformation machen sich die EU-Institutionen darüber Gedanken, wie gegen die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Informationen vorgegangen werden könnte.

Bereits im Dezember stellte die EU-Kommission einen Aktionsplan gegen Propaganda im Internet vor. Das Budget einer 2015 eingerichteten Task Force gegen russische Einflussnahme wurde verdoppelt und ein Schnellwarnsystem, über das EU-Staaten Manipulationsversuche melden können, auf den Weg gebracht. Außerdem verpflichteten sich Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube, Social Bots zu kennzeichnen oder zu löschen. Wie viel dies nützen wird, ist unklar. Manche EU-Staaten, insbesondere aus Osteuropa, wünschen sich bereits eine deutlichere Antwort auf Hetzkampagnen und Fake News.

Berater Kazemi jedenfalls zeigt sich unbeeindruckt. Solange der Meinungskampf in den Foren ungezügelt weitergeht, entwickelt er für seine politischen Mandanten eigene Lösungen. "Wir bauen Bots, die andere Bots zerstören", erklärt er und klingt ein bisschen stolz. Seine Firma setze Fake-Profile ein, die darauf programmiert seien, Facebook andere Bots zu melden. Dann erkenne das Netzwerk fremde Bots wie auch eigene - und lösche am Ende alle. (apa/dpa)