Linz. Der diesjährige Starts Prize der Europäischen Union geht an das Innovationsbüro 300.000 Km/s für sein Modell "Ciutat Vella's Land-use Plan" zur nachhaltigen Stadtplanung und an Björn Karmann und Tore Knudsen für "Project Alias", einen intelligenten Parasiten, der Smart-Home-Systeme dazu zwingt, unsere Privatsphäre zu respektieren. Ars Electronica stellte die Sieger in Linz vor.

Parasit hindert Digitale Assistenten am Belauschen

Björn Karmann und Tore Knudsen entschieden die Sparte "Artistic Exploration" mit ihrem "Project Alias" für sich. Das ist ein Parasit, ein Gerät, das auf Smart Home Assistants aufgesetzt wird und sie steuert. Soll der digitale Assistent uns nicht belauschen, spielt ihm "Alias" ein konstantes, leises Rauschen in sein Mikrofon. Soll er hinhören und Anweisungen aufnehmen, "weckt" ihn "Alias" mit einem bestimmten Wort und die Maschine ist einsatzbereit.

"Alias" funktioniert mit einem Raspberry Pi, das gesamte System ist lokal und vom Internet getrennt. Knudsen und Karmann wollen so mittels Makerkultur und Open Source den Endverbrauchern wieder mehr Kontrolle und Macht von den Designern und Unternehmen zurückgeben. Die Jury führte abschließend aus, sie hoffe, dass "Project Alias" die Industrie anrege, uns mit Transparenz und Kontrolle über unsere eigene technologische Lebenswelt auszustatten.

Urbanen Raum lebenswert gestalten

Der Gewinner in der Kategorie "Innovative Collaboration", das Innovationsbüro 300.000 Km/s in Barcelona, hat den "Ciutat Vella's Land-use Plan. Big Data, KDD and Sitizen Participation to Ensure Coexistence between Economic Activity and Citizens' Quality of Life" entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Damit zeigt es, wie neue Technologien, nämlich Machine Learning und Bürgerpartizipation, dabei helfen können, den urbanen Raum ihrer Stadt - mit 1,65 Millionen Einwohnern und mehr als sieben Millionen Besuchern jährlich - lebenswert zu gestalten. Dazu wurden vier Vorstudien, etwa zu Auswirkungen des nächtlichen Lärms auf die Gesundheit, erstellt und die Informationen daraus mit einem Datenatlas verknüpft.

In der Ko-Kreationsphase wurden Bewohner und örtliche Geschäftstreibende eingebunden. Dann wurden verschiedene Szenarien entwickelt und simuliert. Daraus entstand ein Masterplan, der im Februar 2018 genehmigt wurde und seither angewendet wird. Das Innovationsbüro betont die Rolle der Stadtplanung als Instrument, um die Stadt als Gemeinschaftsgut über den freien Markt zu stellen. Die Jury nannte das Projekt in ihrer Begründung einen erfrischenden alternativen Weg für Smart-City-Technologien.

Der Starts Prize sucht Projekte, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Kunst erfolgreich proben und das Potenzial haben, zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beizutragen. Er wird von der Ars Electronica, vom Brüsseler Museum BOZAR und der Amsterdamer Waag veranstaltet, heuer wurden 2.278 Projekte aus 88 Ländern eingereicht. Acht erhielten eine Anerkennung, die beiden Preisträger je 20.000 Euro, die Verleihung der Preise erfolgt am 5. September im Rahmen des Ars Electronica Festivals in Linz.(apa)