Die "20-20-20"-Regel

Der Mensch sei auch nicht dafür geschaffen, nur in die Nähe zu schauen, merkte Gschweidl an. Am Arbeitsplatz sei die "20-20-20"-Regel hilfreich. Demnach soll man während der Bildschirmarbeit alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas blicken, das 20 Fuß (rund sechs Meter; Anm.) weit entfernt ist. Die passende, auf die Bildschirmdistanz ausgerichtete Brille - entspiegelt und eventuell mit Blaulichtfilter - sei ganz wichtig. Autolenkern können beim Fahren in der Nacht Spezialbrillen helfen, die den Kontrast erhöhen, aber die Blendung verringern.

Der Leiter des Lichtlabors der Donau-Universität Krems, Gregor Radinger, befasst sich mit den Anforderungen der Menschen an das Licht in ihren Innenräumen. "Menschen haben aufgrund ihrer evolutionären Prägung bestimmte Bedürfnisse. Heute, wo sie mehr als 90 Prozent ihrer Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringen, finden sie aber ein gegenüber dem Außenraum deutlich verändertes Lichtangebot vor", so Radinger. Hier ortet er Widersprüche: Lichtmaximierung im Innenraum werde gleichbedeutend mit hoher Belichtungsqualität gesehen. "Wenig bekannt ist, dass wir für lichtinduzierte physiologische Prozesse, wie etwa die Melatonin-Ausschüttung, hohe und niedrige Beleuchtungsstärken-Niveaus benötigen, die im Innenraum bzw. aufgrund von Lichtverschmutzung in urbanen Gebieten kaum erreicht werden." Da sei die Architektur gefragt. "Die besondere Herausforderung für sie ist dabei, eine natürliche Raumbelichtung mit einer adäquaten thermischen Gebäudeperformance zu kombinieren." So sollen sich die Räume dabei etwa nicht zu sehr aufheizen.

Auch Schlafforscher Klösch spricht sich eindeutig für gezieltes, intelligentes Lichtmanagement aus. "Ich sehe da einen Riesenbedarf." Nicht nur der Einsatz verschiedener Lichtstärken wäre ratsam, "auch die Anpassung der Lichtfarbe in Innenräumen über den Tag hinweg ist chronobiologisch sinnvoll". In Schulen ließe sich dadurch die Aufmerksamkeit der Schüler steigern. "Wir in der Lichtforschung sind außerdem Fans von Lichtweckern und empfehlen diese besonders bei Kindern und Jugendlichen, die in der Früh schwer aus dem Bett kommen", so Klösch. Licht sei in der Lage, Stimmungen zu verbessern bzw. zu stabilisieren. Gegen den "Winterblues" könne eine Tageslichtlampe helfen. Zum einfacheren Munterwerden in der Früh rät er zum Einsatz von starkem blauwelligem Licht.(apa)