Als erstes Land der Eurozone will Frankreich im kommenden Jahr eine Digitalwährung testen. Das kündigte der Gouverneur der Notenbank Banque de France, François Villeroy de Galhau, am Mittwoch in Paris an. Ziel ist nach seinen Worten die Entwicklung einer Digitalwährung, die für den Transfer sehr großer Beträge geeignet ist. Die Testphase solle "schnell" anlaufen, sagte Villeroy de Galhau.

Die Zentralbank will demnach auch Studien für einen "digitalen Euro" unterstützen. In der Eurozone waren zuletzt Rufe nach einer digitalen Gemeinschaftswährung laut geworden, um der Krypto-Währung Bitcoin und der geplanten Facebook-Digitalwährung Libra etwas entgegenzusetzen. Davon versprechen sich die Befürworter schnellere Transaktionen zu geringeren Kosten.

Der deutsche Bankenverband hatte sich in einem Positionspapier Ende Oktober für eine europäische Digitalwährung ausgesprochen, auch der Handelsverband Deutschland (HDE) unterstützt die Pläne. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire befürwortet eine "öffentliche Digitalwährung".

Mit Digitalgeld könnten Kosten im Zahlungsverkehr sinken

 In Europa nimmt die Debatte um staatliches Digitalgeld zu. Sollten grenzüberschreitende Zahlungen in der EU weiterhin zu teuer bleiben, sei womöglich die Ausgabe einer bei der EZB angesiedelt Digitalwährung erforderlich, hieß es in einem Dokument der Europäischen Zentralbank (EZB), das die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch einsah. Sollte die Bargeldnutzung zurückgehen, könnte die Währung noch schneller an den Start gehen. Das Papier soll am Donnerstag auf einem Treffen der EU-Finanzminmsister präsentiert werden.

In dem EZB-Dokument wird allerdings auch erwähnt, dass von der Notenbank gestütztes Digitalgeld weitreichende Konsequenzen für die Geldpolitik und für Banken haben könnte. Die Einführung einer solchen Währung müsse daher genau untersucht werden.

Bei der EZB angesiedeltes Digitalgeld wäre eine Alternative zu den Plänen von Facebook. Der US-Konzern will im nächsten Jahr eine eigene Cyber-Devise mit dem Namen "Libra" einführen. Das Projekt des weltgrößten Internet-Netzwerks, das rund 2,5 Milliarden Nutzer hat, alarmierte Politiker rund um den Globus. Aus Sicht von Bundesfinanzminister Olaf Scholz gehört die Ausgabe einer Währung nicht in die Hände privater Unternehmen. Experten trauen Facebook zu, das Finanzsystem mit Libra durcheinanderzuwirbeln. Denn dadurch könnten Geldtransfers über Ländergrenzen hinweg wesentlich schneller und günstiger werden.(apa/afp/reuters)