Die Verfolgung von Mobilfunkdaten kann die geografische und zeitliche Ausbreitung des Coronavirus bis zu zwei Wochen im Voraus vorhersagen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht wurde. Die Forscher hatten mit anonymisierten Handydaten eines Telekombetreibers die Bevölkerungsströme aus der zentralchinesischen Metropole Wuhan analysiert.

Mit ihrem Modell könnten schon frühzeitig mögliche Übertragungsrisiken an verschiedenen Orten genau eingeschätzt und Vorbereitungen getroffen werden, erläutern die Forscher. "Dieser Ansatz kann von politischen Entscheidern in jedem Land mit den verfügbaren Daten benutzt werden, um eine schnelle und genaue Risikoeinschätzung zu treffen und die Bereitstellung begrenzter Ressourcen vor laufenden Ausbrüchen zu planen."

Der US-Wissenschafter Nicholas Christakis von der Yale Universität und seine chinesischen und Hongkonger Kollegen hatten die Ortsbestimmung der Handys von elf Millionen Menschen ausgewertet, die sich vom 1. bis 24. Jänner mindestens zwei Stunden in Wuhan aufgehalten hatten - einen Tag nach der Abriegelung der Stadt. Die Daten verglichen sie mit den Infektionsraten aus 296 Präfekturen in 31 Provinzen und Regionen in China.

Abschottung sehr effektiv

Die Bevölkerungsströme waren in der Zeit besonders groß, da die Reisewelle vor dem chinesischen Neujahrsfest am 25. Jänner lief und Wuhan ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Zentralchina ist. Die Abschottung der Stadt war demnach sehr effektiv. Die Bevölkerungsabwanderung sei vom 22. auf den 23. Jänner um 52 Prozent gefallen und einen Tag später um weitere 94 Prozent, ermittelten die Forscher anhand der Verortung der Handys.

"Wenn sich Menschen fortbewegen, nehmen sie ansteckende Krankheiten mit sich", heißt es in der Studie. "Ihre Bewegungen sind deswegen ein Vorbote für den künftigen Status einer Epidemie - und das bietet die Aussicht, daten-analytische Techniken zu benutzen, um eine Epidemie zu kontrollieren, bevor sie zu stark zuschlägt."(apa/dpa)