Facebooks Reaktion auf die zunehmende Kritik am Umgang des Konzerns mit Hassrede und Falschinformationen sorgt inzwischen auch in der Werbebranche für Unmut. Agenturen, die laut Insidern in letzter Minute noch den Werbeboykott abwenden wollten, zeigten sich frustriert über die fehlende Bereitschaft des US-Konzerns zu Zugeständnissen.

"Sie bewegen sich nicht", sagte ein Manager einer Werbeagentur nach Gesprächen mit Verantwortlichen. Stattdessen würden Facebook-Manager auf frühere Pressemitteilungen verweisen und damit nicht auf Sorgen der Werbeagenturen reagieren, die der Meinung sind, dass die dort beschriebenen Schritte nicht weit genug gehen, um Kritik zu entkräften.

Dem Werbeboykott haben sich inzwischen Konzerne wie Volkswagen, Henkel, Starbucks oder Coca-Cola angeschlossen. Sie wollen für einen Monat keine Anzeigen mehr beim weltgrößten Internet-Netzwerk schalten, um den Druck auf Facebook zu erhöhen, mehr gegen die Verbreitung von Hassrede, Falschinformationen und Mobbing auf den Plattformen zu unternehmen.

Inzwischen hat sich auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg eingeschaltet, der sich nun mit Initiatoren des von Bürgerrechtlern ins Leben gerufenen Boykott-Aufrufs treffen will. Diese richten zehn Forderungen an Facebook. Unter anderem sollen Menschen, die Opfer schwerwiegender Belästigungen geworden sind, mit einem Facebook-Mitarbeiter sprechen können. Auch Entschädigungen sollen demnach eingeführt werden. Bisher hat das Internet-Netzwerk eine Überprüfung seiner internen Hassrede-Kontrolle in Aussicht gestellt.(apa/reuters)