Google ist bei der Internetrecherche der Standard. Mehr noch. Weltweit nutzen knapp 90 Prozent der Internetbenutzer die Suchmaschine aus den USA. Der Ausdruck "googeln" hat Einzug in den Duden gehalten und wird synonym für "im Internet suchen" verwendet. Dass es dazu Alternativen gibt, interessiert die wenigsten. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass das Unternehmen in Sachen Datenschutz und -verarbeitung nicht das Gelbe vom Ei ist. Will man also Überwachung, personalisierter Werbung und Manipulation entgehen, ist es nicht schlecht, sich anderweitig umzusehen. Die nächstgrößten Alternativen wie Microsofts Bing oder Yahoo sind auch nicht vertrauenserweckender. Das nicht zuletzt, weil deren Zentrale und Server in den USA stehen, die so etwas wie der datenschutzrechtliche Wilde Westen sind.

Wichtig bei der Suche nach Alternativen ist Vertrauen. Denn das eine sind die vollmundigen Versprechen, keine Daten zu sammeln, was oft schon in großen Buchstaben auf den Startseiten prangt. Das andere ist, ob die Versprechen auch wirklich gehalten werden, beziehungsweise, ob es Gesetze gibt, die Verstöße ahnden.

Wie problematisch das sein kann, zeigt schon ein Blick auf die Suchmaschine Duckduckgo. Sie ist sogar die voreingestellte Suchmaschine bei Tor, einem anonymen Browser, der auch den Zugang zum Darknet ermöglicht. Wie andere auch versichert Duckduckgo, keine persönlichen Daten zu sammeln. Durch seinen Sitz in den USA ist das Unternehmen allerdings per Gesetz dazu verpflichtet, mit amerikanischen Behörden von FBI bis NSA zusammenzuarbeiten. Grundsätzlich bietet es sich also an, auf Suchmaschinen zu setzen, die in der EU beheimatet sind und sich daher an die Datenschutz-Grundverordnung halten müssen.

Startpage, Testsieger
mit Gütesiegel

Startpage wurde als Suchmaschine, die Datenschutz respektiert, mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem wurde sie 2019 von der Stiftung Warentest zum Testsieger erklärt und wurde mit dem Europäischen Datenschutz-Gütesiegel ausgezeichnet. Das Unternehmen mit Sitz in Holland verspricht, keine persönlichen Daten zu sammeln. Was die Seite macht, ist, die Suchanfrage anonymisiert an Google weiterzuleiten und die Suchergebnisse anzuzeigen. Das macht Startpage eigentlich zu einer sogenannten Metasuchmaschine, die vermittelt, aber nicht selbst sucht. Google ohne Google also. Allerdings gibt es einen bitteren Beigeschmack: Mehrheitseigner an dem Unternehmen ist das Marketingunternehmen Privacy One Group Ltd mit Sitz in den USA. Zudem wird ein Teil der Server in Palo Alto in den USA gehostet.

Wenn es eine Suchmaschine gibt, die so etwas wie ein europäischer Ersatz für Google ist beziehungsweise werden könnte, dann Qwant. Das französische Unternehmen bietet nicht nur die normale Suchfunktion sowie die Suche nach Bildern, Nachrichtenmeldungen, Musik und Videos. Mit Qwant Maps gibt es eine eigene Straßen- beziehungsweise Landkartensuche. Dazu kommt Qwant Junior für Kinder und Jugendliche.

Qwant, Europäer mit
großen Ambitionen

Qwant geht den umgekehrten Weg von Google: Es wird a priori kein Nutzerprofil angelegt, sondern nur, wenn man das explizit will - um etwa personalisierte Suchergebnisse zu erhalten. Auch IP-Adressen werden nicht auf Vorrat aufgezeichnet. Dazu versichert man, keine sogenannten Tracking-Cookies zu verwenden, die es erlauben, den Nutzer zuzuordnen und zu verfolgen.

An dem Unternehmen sind das staatliche Finanzinstitut Caisse des Dépôts und der deutsche Axel-Springer-Verlag zu je 20 Prozent beteiligt. In die Kritik geraten ist Qwant wegen seiner allzu breiten Kooperation mit Microsoft beziehungsweise dessen Suchmaschine Bing. Außerdem wurden offenbar Technologien eingesetzt, die über chinesische Huawei-Server zur Verfügung gestellt wurden. Qwants Server selbst stehen aber alle in Europa. In den nächsten Jahren will man 300 Millionen Euro investieren, um die Suchmaschine groß zu machen. Was wiederum zur Frage führt, wie der Profit generiert wird.

Oft komplettere Ergebnislisten bieten sogenannte Metasuchmaschinen. Sie durchsuchen nicht selber das Netz, sondern schicken die Anfrage an andere Suchmaschinen weiter und greifen deren Resultate ab. Bei manchen Metasuchmaschinen bedeutet das, dass man sich auch Google-Ergebnisse anzeigen lassen kann. Das wiederum ist ein Vorteil für all jene, die glauben, dass allein Google die einzig wahre Ergebnisliste liefert.

Mehrere Abfragen mit Metasuchmaschinen

Die wahrscheinlich kompletteste Instanz auf diesem Gebiet ist Searx, eine Suchmaschine, die man mit dem nötigen Know-how sogar selber hosten, sprich: betreiben kann. Das große Plus in Sachen Transparenz ist hier, dass sie einen Open Source Code hat: Während andere geschlossene private System sind, ist hier die gesamte Programmierung offengelegt. Menschen, die sich damit auskennen, können also genau überprüfen, was hier gemacht, abgefragt und weitergegeben wird. Da man das Ganze, wie gesagt, auch selbst betreiben kann, gibt es eine Vielzahl von Instanzen.

Dazu gibt es eine Unzahl an möglichen Einstellungen. Welche Suchmaschinen abgefragt werden, die Methode der Formular-Übertragung, Sprache, Region und so weiter. Wermutstropfen ist allerdings die Abfrage von Google-Ergebnissen. In Ermangelung einer Vereinbarung mit Google funktioniert diese Abfrage manchmal nicht, wenn zu viele anonyme Anfragen gleichzeitig geschickt werden, sprich: wenn die Suchinstanz zu populär wird.

Gute Ergebnisse - auch jene von Google - liefert das schweizerische Etools. Mit dabei ist dort allerdings Werbung durch Drittanbieter, die Cookies setzen und so das Nutzungsverhalten erfassen können. Es handelt sich auch nicht um eine freie, also transparente Software. Frei ist hingegen die deutsche Metasuchmaschine Metager. Sie fragt primär die Suchmaschinen Yahoo und Yandex ab und mengt auch ein wenig eigene Sucheergebnisse bei.

Für einen exemplarischen Schnelltest gab die "Wiener Zeitung" bei den einzelnen Suchmaschinen das Wort "Bison" ein. Dabei zeigt sich, dass Qwant und die Metasuchmaschinen sehr umfassende Ergebnisse lieferten. So wurden auf der ersten Seite neben dem Tier und seinem Fleisch auch auf Unternehmen dieses Namens verwiesen. Im Vergleich dazu spuckten Google und damit auch Startpage auf ihrer ersten Seite ausschließlich Einträge zum Tier und zum Konsum von seinem Fleisch aus.