Die aufstrebende Audio-App Clubhouse bekommt Konkurrenz von Twitter: Der Kurznachrichtendienst weitet den Testlauf seines ähnlichen Angebots Spaces auf mehr Nutzer aus. Er sehe Chancen darin, den Austausch von Informationen bei Twitter durch Gespräche zwischen Nutzern zu ergänzen, sagte Produktchef Kayvon Beykpour in der Nacht zum Donnerstag in einer Unterhaltung bei Spaces.

Bei Clubhouse können zahlreiche Nutzer an Talkrunden teilnehmen. Nur einige von ihnen können gleichzeitig sprechen. Die App gewann in den vergangenen Monaten unter anderem nach Auftritten von Prominenten schnell an Popularität.

Ohne Video ist die Hürde niedriger

Beykpour führt den Erfolg des Formats auch darauf zurück, dass ohne Videobild die Hürde für die Teilnahme an einer Unterhaltung niedriger sei. Während bei Clubhouse die Zahl der Zuhörer bei einer Talkrunde auf 5.000 begrenzt ist, seien bei Spaces keine Beschränkungen vorgesehen. Gleichzeitig können bis zu zehn Teilnehmer das Wort ergreifen, mit der Zeit sollen es aber mehr werden.

Beide Dienste sind bisher nur eingeschränkt verfügbar. Bei Clubhouse gibt es eine Warteliste - oder man braucht die Einladung eines Mitglieds. Spaces testen bisher nur einige tausend Nutzer und die Unterhaltungen sind nur in der Twitter-App auf dem iPhone erreichbar.

Noch einige Punkte zu kären

Viele Aspekte seien noch in Arbeit, betonte Beykpour. So habe man noch nicht entschieden, ob es eine Aufnahmefunktion zum späteren Anhören geben soll. Aktuell verfallen die Unterhaltungen nach dem Ende des Livestreams. Zum einen seien die Nutzer dadurch lockerer, zum anderen lohne es sich meistens auch nicht, sich Unterhaltungen nachträglich komplett anzuhören. Er könne sich aber vorstellen, dass es eine sinnvolle Funktion sein könnte, interessante Fragmente der Talkrunden zum späteren Teilen aufzeichnen zu können.

Für die Steuerung der Unterhaltung will Twitter neue Funktionen entwickeln - etwa die Möglichkeit, Redner, die sich schlecht benehmen, herunterzustufen. Twitter hat den Vorteil, dass es bereits ein Geflecht aus Dutzenden Millionen Nutzern gibt, die einander auf der Plattform folgen. An Clubhouse wurde zuletzt unterdessen kritisiert, dass die App nach Zugriff auf die Kontakte der Nutzer fragt - damit sie schneller Bekannte bei der App finden können.

Auch bei Facebook habe Gründer und Chef Mark Zuckerberg die Entwicklung eines Clubhouse-Konkurrenzprodukts in Auftrag gegeben, schrieb die "New York Times" am späten Mittwoch. "Ich bin überrascht, dass sie so lange dafür gebraucht haben", kommentierte Beykpour die Nachricht. Facebook ist bekannt dafür, populäre Funktionen anderer Social-Media-Dienste in seinen Apps nachzuahmen.

Indischer Twitter-Konkurrent startet

In Indien, das immer wieder in Konflikten und mit Drohgebärden gegenüber Twitter steht, startete mit "Koo" nun ein eigener indischer Microblogging-Dienst.  Die Koo-App gewann die "Atmanirbhar App Innovation Challenge" neben anderen indischen Anwendungen, wie Zoho und Chingari — eine nationale Version von TikTok und wurde von Aprameya Radhakrishna, der aktuell den Vorstandsvorsitz innehat, gegründet. Laut eigenen Angaben sollen bereits über drei Millionen Menschen die App heruntergeladen haben.

Die Besonderheit von Koo liegt in den Sprachversionen. So sollen alle Inder in ihrer Sprache den Dienst nutzen können. Jedoch jeweils nur in einer Sprache. Das bedeutet, dass beim Installieren abgefragt wird, welche Sprache genutzt werden soll und dann kann auch ausschließlich in dieser kommuniziert werden. Zur Auswahl stehen Englisch, Hindi, Kannada, Telugu, Tamil Marathi, Bengali, Malayalam, Oriya, Punjabi, Assamese und  Gujarati.(apa/dpa)

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https://youtu.be/MVGYK040Ep0