Das Internet ist als Mythos vermutlich ebenso interessant wie als Realität. Unzählige Erwartungen und Befürchtungen, von der elektronischen Demokratie per Mausklick bis zur unkontrollierten

Geldwäsche, sind damit verbunden. Und bei jüngeren Männern hat es das Auto als Gesprächsthema Nummer 2 bereits abgelöst. Stoff genug also für saftige Satiren.

Mathias Neumann gehört zu den ersten Zeichnern des deutschsprachigen Raums, die sich den alltäglichen Auswirkungen der Vernetzung angenommen haben. Dabei hat er sich seit seinem Vorjahrsband um einige Qualitätspunkte gesteigert. Ignorante Computerverkäufer, die Jojos als Online-

Geräte anpreisen haben bei ihm ebenso Platz wie Surfsüchtige mit Ausfallserscheinungen. Ein solcher ist die Hauptfigur des Bandes, ein gewisser Vincent, der stets von den neuesten Technologien

angetan ist. Wenn er sagt "Du bist das schönste Wesen der Galaxis", meint er nicht seine Partnerin beim elektronischen Plausch sondern seinen PC. Seine Geldnöte beseitigt zwar kurzfristig ein

Programmfehler der Homebanking-Software, allerdings weist ihn eben dieser Fehler hinfort als libyschen Waffenhändler aus...

So geht es augenzwinkernd durch den Alltag der Raubkopierer, CD-Brenner, Mausfreunde und Platinensammler. Die Chancen, sich in dem Band zu erkennen, wachsen mit der Anzahl der Computer, die jemand

daheim herumstehen hat.

Die Quintessenz des Bandes bildet der Dialog: "Das System hat sich aufgehängt." · "Der User auch."
Mathias Neumann: Moderne Zeiten - Panik im Internet, Achterbahn-Verlag, Kiel 1999