Die heutige Internetkultur basiert darauf, dass man sich etwas aneignen, nutzen, verwenden und vielleicht sogar verändern möchte, findet Musikwirtschaftsforscher Peter Tschmuck. Würde das Urheberrecht immer genau und penibel ausgelegt, so wäre vieles, was wir im Internet machen, im Grunde genommen illegal. Massenklagen von Industrieverbänden gegen individuelle Filesharing-User sind potentiell möglich, und in einigen Fallbeispielen auch praktiziert worden.

Mit dem Format Creative Commons wird neben Film, Foto und Literatur auch im Musikbereich ein neuer Weg der digitalen Rechtewahrung eingeschlagen. Bei jedem einzelnen Song können Künstler definieren, wie sie ihre Rechte gestalten wollen. Exklusive Werknutzungsverträge mit Verwertungsgesellschaften wie der Gesellschaft für Autoren, Komponisten und Musikverleger (AKM) sind damit passé, beziehungsweise nicht zwingend notwendig. Umgekehrt müssen sich Musiker aber entscheiden: Gehe ich zu einem Verwerter, oder lizenziere ich im Do-It-Yourself-Verfahren unter Creative Commons?

Die "Wiener Zeitung" hat mit Musikwirtschaftsforscher Peter Tschmuck über Creative Commons und die Lage der Lizenznation Österreich gesprochen.

"Wiener Zeitung": Was sind Creative-Commons-Lizenzen und wozu braucht man sie?

Peter Tschmuck: Creative Commons bedeutet, dass ich entscheiden kann, in welcher Form mein Werk genutzt wird. Man hat damit die Möglichkeit, Werke nicht ‚mit Haut und Haar‘ weiterzugeben, sondern die Nutzung entsprechend zu definieren. Ob man das Werk bearbeiten darf, kommerziell oder nur unter den Bedingungen nutzen darf, mit denen es weitergegeben wurde – das einzige, was man immer machen muss, ist, den Urheber zu nennen. Creative Commons ist eine Art Baukastensystem, mit dem ich meine Rechtenutzung zusammenstellen kann.

Sehen Sie in Österreich bei Künstlern, die bei Verwertungsgesellschaften sind, das Bedürfnis, unter Creative Commons Lizenzen zu veröffentlichen?

Das stößt an die Problematik, dass die Wahrnehmungsverträge mit den Verwertungsgesellschaften exklusive Verträge sind. Je nachdem, wofür die Gesellschaften auf Basis des Urheberrechtes zuständig sind, darf man die Werke nur in dieser Form weitergeben. Das widerspricht den Creative Commons-Lizenzen einfach grundsätzlich.
Natürlich gibt es individuell Verhandlungsspielraum. Ich bin nur nicht sicher, ob die meisten Werkschaffenden sich dessen bewusst sind, dass man auch zur Verwertungsgesellschaft gehen und sagen kann: 'Ich will jetzt eine Ausnahme machen'. Üblicherweise wird ein Standardvertrag unterschrieben, und damit hat sich die Sache. Dieser Standardvertrag lässt Creative-Commons-Nutzung eigentlich nicht zu. Wenn die Verwertungsgesellschaft sehr strikt ist, bedeutet das, dass man nicht Mitglied einer Verwertungsgesellschaft sein und gleichzeitig Creative Commons nutzen kann.