In ihrem Song macht sich die Band Beygairat Brigade - die Ehrenlose Brigade - über so ziemlich alles lustig, was Macht hat in Pakistan. Ein riskantes Unterfangen in der Atommacht. - © Foto: Archiv
In ihrem Song macht sich die Band Beygairat Brigade - die Ehrenlose Brigade - über so ziemlich alles lustig, was Macht hat in Pakistan. Ein riskantes Unterfangen in der Atommacht. - © Foto: Archiv

Lahore/Neu Delhi. Nachdem Ali Aftab Saeed das Musikvideo auf YouTube hochlud, bat ihn sein Vater, vorsichtig zu sein. Tröstlich war wohl gemeint, was der Ex-Offizier seinem Sohn für den Ernstfall dann noch sagte: "Wenn dieses Land Dich tötet, dann hat es Dich von vornherein nicht verdient gehabt." Das auf Punjabi gesungene Lied, um das es geht, heißt "Aalu Anday" - Kartoffeln und Eier. Der harmlose Titel täuscht. In dem Song macht sich Saeeds Band Beygairat Brigade - die Ehrenlose Brigade - über so ziemlich alles lustig, was Macht hat in Pakistan. Ein riskantes Unterfangen in der Atommacht.

Die drei jungen Musiker aus der ostpakistanischen Metropole Lahore mokieren sich über Mullahs und Militärs, über Parteien und Politiker. Mal subtil, mal unmissverständlich singen sie gegen Missstände in ihrem Land an, in dem Liberale wie der 27 Jahre alte Saeed in der Vergangenheit immer weiter in die Ecke gedrängt wurden. Und sie machen sich über die Verschwörungstheorien lustig, mit denen Pakistaner die Schuld am wachsenden Elend des muslimischen Landes anderen in die Schuhe schieben. Sänger Saeed hält im Clip ein Schild hoch, auf dem steht: "Dieses Video wird von Zionisten gefördert."

Eine Hymne auf Facebook und Co.  
Der Sänger und seine beiden Bandkollegen trafen mit ihrem frechen Auftreten einen Nerv. Auf verschiedenen Youtube-Kanälen wurde das Video seit vergangenem Oktober mehr als 700.000 mal angeklickt. "In sozialen Netzwerken ist es eine Hymne geworden", sagt Saeed. "Die Fernsehsender hatten gar keine andere Wahl, als es zu spielen." Nachrichten- und Musikkanäle in Pakistan strahlten den Clip aus, Fernsehstationen im benachbarten Indien wurden auf die Band aufmerksam. Schließlich berichteten auch westliche Medien über die Ehrenlose Brigade, die sich im Klima der Angst nicht wegduckte.

Saeed - der selber bei einem Nachrichtensender arbeitet - wurde nicht nur von den Klickzahlen und dem Medienrummel überrascht. Auch das Feedback sei erstaunlich positiv, sagt er. Zwar habe es im Internet wütende Reaktionen gegeben. Aber keiner aus der Band sei persönlich bedroht worden. Stattdessen habe er "Liebe und Zuneigung eines breiten Publikums" erfahren. "Ich wusste gar nicht, dass es so viele Gleichgesinnte gibt." Die Popularität erfreut Saeed. Finanziell profitiert haben die Musiker davon nicht. "Wir sind bekanntgeworden, haben aber keine einzige Rupie verdient."

"Ja, ich habe Angst"
Nach dem "Aalu Anday"-Video sei die Band quasi pleite, sagt Saeed. Dabei hätten die Musiker Lieder fertig, um ein Album zu produzieren. Zwar bietet eine pakistanisches Unternehmen an, die Ehrenlose Brigade unter Vertrag zu nehmen. Saeed scheut sich aber davor, seine Unabhängigkeit zu verlieren und sich langfristig zu binden. Derzeit plant die Band, ohne fremde Hilfe ein neues Musikvideo zu drehen und auf YouTube hochzuladen. Das fertig konzipierte Lied - über das Saeed keine Einzelheiten verraten will - werde noch viel stärker einschlagen als "Aalu Anday", glaubt der Sänger.

Wachsender Erfolg dürfte allerdings auch größere Gefahr für Leib und Leben der Bandmitglieder bedeuten. "Ja, ich habe Angst", sagt Saeed. "Aber ich kann nicht anders." In der düsteren Lage Pakistans hätten Menschen wie er zwei Optionen: Eine davon sei auszuwandern. "Die andere ist zu kämpfen." Saeed betont aber auch: "Ich bin kein Held." Er fürchte sich zwar nicht vor dem Tod. "Aber ich fange an zu zittern, wenn ich an Folter und so Dinge denke."