Washington. (wak) Wenn gleichzeitig 33 Finanzhäuser - und damit fast die gesamte Wall Street - damit beauftragt werden, die Aktien bei einem Börsegang zu platzieren, dann könne man davon ausgehen, dass niemand von diesen 33 die Aktie schlecht redet. "Das sind 33 Sponsoren mit Incentives, die Aktie nach oben zu treiben", erklärt Analyst und MoneyWeek-Kommentator Phil Oakley gegenüber dem "Guardian". Für die Finanzhäuser ein Freundschaftsdienst, der sich auszahlen soll. "Es gibt also wenig unparteiische Einschätzungen, und private Investoren tappen im Dunkeln."

Die Rede ist natürlich von Facebook, jenem Social-Media-Giganten, der an diesem Freitag nun tatsächlich sein langerwartetes Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq geben wird. Und selbst ohne die Finanzhäuser, die sich um die Platzierung der Aktie kümmern, wäre Facebook in guten Händen an der Wall Street: die Handvoll früher Geldgeber - etwa Goldman Sachs - will nun zu Geld kommen und versilbert zumindestens einen Teil ihres Anteils am Unternehmen. Aufgrund des Hypes um den Facebook-Börsegang hat sich Goldman Sachs etwa entschlossen, statt 13 Millionen Papieren nun 29 Millionen zu verkaufen - mehr als das Doppelte. Hedge Fund Tiger Global veräußert nun 23 Millionen Aktien statt drei Millionen - fast das Achtfache. Das Signal, das damit ausgesendet wird: Besser als am ersten Börsetag wird es wahrscheinlich nicht. Analysten warnen jetzt schon vor überzogenen Preisen und raten vor allem Kleinanlegern, die Finger von Facebook zu lassen.

In Österreich hat kein Institut eine Zuteilung von Facebook-Aktien bekommen, allerdings lassen sich einige heimische Häuser dem Vernehmen nach Derivat-Produkte auf die Facebook-Aktie einfallen.

So oder so: Es ist der größte Internet-Börsengang aller Zeiten, und auch branchenübergreifend kommt Facebook unter die Top Ten. Die Einnahmen liegen nach dem letzten Stand bei bis zu 16 Milliarden Dollar (12,56 Milliarden Euro) - nachdem die bisherigen Anteilseigner diese Woche beschlossen haben, 25 Prozent mehr an Facebook-Eigentum für die Börse locker zu machen. Es wird nun insgesamt 421 Millionen Aktien zu kaufen geben. Zusammen mit den Aktien, die bei den Alteigentümern wie Gründer Mark Zuckerberg verbleiben, könnte das junge Internetunternehmen auf einen Wert von 104 Milliarden Dollar kommen oder umgerechnet 79 Milliarden Euro - mehr, als deutsche Großkonzerne wie Siemens oder VW auf die Waage bringen.

Bei Investoren ist Facebook derart begehrt, dass das Unternehmen zuerst einmal den geforderten Preis je Aktie anhob und dann noch die Anzahl der angebotenen Papiere.

39 Dollar pro Aktie?

Und auch der Preis pro Aktie dürfte noch einmal zulegen. Zuerst sei die Spanne bei 34 bis 38 Dollar pro Papier gelegen. Doch ein paar der 33 Finanzhäuser hätten auf der Zielgeraden bei verschiedenen Investoren vorgefühlt, wie ein Preis von konkret 39 Dollar ankommen würde. Die Securities and Exchange Commission (SEC) hat als Maximalpreis 45 Dollar pro Aktie festgesetzt.

"Ich glaube, dass die Aktien am ersten Tag ein riesigen Auftrieb haben werden", meint Alan Patrick, Mitbegründer der Technologie-Beratungsfirma Broadsight. Seines Erachtens werden die Käufer vor allem jene sein, die glauben, sie können die Aktie noch an "größere Idioten" als sie selber verkaufen - also das anfängliche Interesse werde weniger mit der Substanz des Unternehmens zu tun haben, als vielmehr mit dem Hype. Der wahre Wert werde sich erst in den darauf folgenden Monaten einpendeln.

Facebooks Börsegang habe vielmehr etwas mit einem "kulturellen Großereignis als mit einem ersten Aktienangebot zu tun", heißt es auch von einem anderen Analysten.