Belfast. Bankencrash nach Software-Update: Seit über einer Woche haben über 100.000 Kunden der Ulster Bank in Irland und Nordirland keinen Zugriff mehr auf ihre Konten. Weder kann man Rechnungen bezahlen, Überweisungen tätigen, noch scheinen Zahlungen auf. Die Bank versucht gegenzusteuern, sucht fieberhaft nach dem Softwarefehler und öffnete sogar erstmals in ihrer Geschichte auch Filialen am Sonntag. Doch der Banken-GAU droht, sich in die Länge zu ziehen.

Ein Dienstag vor einer Woche in der Nacht eingespieltes Update in der "Royal Bank of Scotland"-Gruppe sorgte für Systemfehler- und Ausfälle. Während die Royal Bank of Scotland sowie die Tochterbank NatWest nach einiger Aufregung wieder zurück in den normalen Betrieb fanden, müssen sich die Kunden der Ulster Bank weiterhin in Geduld üben: Das technische Problem, das eine Synchronisierung der Konten und Transaktionen seither verhindert, ist immer noch ungelöst. Und auch über die Ursachen dieser Datenkatastrophe hüllt sich die Bank in Schweigen.

"Die Ulster Bank war mit einer beträchtlichen Anzahl kleinerer Dinge, die manuelle Eingriffe erfordern, konfrontiert, weshalb wir länger benötigen, um das zu heben", wird Stephen Cruise, Vorstand des Filialgeschäfts der Ulster Bank in Nordirland, vom "Belfast Telegraph" zitiert. "Wir können nicht garantieren, dass wir die Kontostände der Kunden wieder auf den Stand bringen, auf dem sie sein sollten", so Cruise, der betont, dass an der Behebung der Probleme "Tag und Nacht" gearbeitet werde.

Sonntagsöffnung
Tatsächlich sorgten lange Warteschlangen vor den Filialen, wo das Beheben von Geld möglich ist, dafür, dass die Ulster Bank auch am Sonntag mehrere Filialen öffnete - erstmals in der Geschichte der Bank.

Von Experten hagelt es indes massive Kritik. IT-Analytiker zufolge dürfte die Bank das Update nicht als schwerwiegenden Eingriff eingestuft haben und daher auch keine Notfallpläne vorbereitet haben. Softwareexperte Stephen Edward Walsh mutmaßt gegenüber der "Irish Times", dass ein Mainframe der Bank abgestürzt sein könnte - ein Ereignis, das sich lediglich alle 20 Jahre ereigne. Auch die Auslagerung der IT-Aufgaben an einen externen Software-Dienstleister soll mitverantwortlich gewesen sein.

Für die Kunden der Bank ist das alles freilich vermutlich unerheblich. Sie müssen den Ankündigungen des Managements Glauben schenken, die eine Behebung der Probleme bis Freitag in Aussicht stellen. Dass das gelingt, dürfte die Bank mit Vehemenz verfolgen. Denn, so sagt der Softwareexperte Walsh, "mit jedem Tag, an dem das System nicht normal arbeite, werden größere Rückstände angehäuft, was das Problem immer schwerwiegender macht."