London. Die Hacker-Gruppe Anonymous hat nach eigenen Angaben im Rahmen einer Kampagne zur Unterstützung von Wikileaks-Gründer Julian Assange die Website des britischen Justizministeriums lahmgelegt.

Dieses räumte am Montag ein, es gebe einige Störungen auf seiner Website, Daten seien jedoch nicht verloren gegangen. Anonymous kündigte am Montag auf Twitter an, im Rahmen der "Operation Free Assange" eine Reihe von britischen Regierungs-Websites lahmlegen zu wollen.

Auslieferung und Strafe
Der 41-jährige Australier Assange hält sich seit dem 19. Juni in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, um sich einer Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Dort soll er zu Vorwürfen sexueller Übergriffe befragt werden, fürchtet allerdings seine Auslieferung an die USA.

Assange ist glücklich mit seinem Computer

 In einem kleinen Zimmer in Ecuadors Botschaft in London mag der WikiLeaks-Gründer Julian Assange ähnlich leben wie in dem Gefängnis, das er unbedingt vermeiden will. Aber wie ein britischer Freund und Unterstützer, Vaughan Smith, nach einem Besuch berichtete, ist der Australier guter Dinge. "Um Assange zu verstehen, muss man wissen, dass er normalerweise glücklich ist, wenn er einen Computer hat", sagte Smith der Nachrichtenagentur Reuters. Was Assange am meisten Sorgen bereite, sei die Vorstellung, nicht arbeiten zu können. "Und das ist der Grund, warum er weniger auf Gefängniszellen steht als auf Botschaften."

Smith zufolge sieht Assanges Zimmer aus wie ein Büro, das hastig in einen Wohnraum umgebaut wurde. Assange habe ein Bücherregal umgestellt, um einen Schlafbereich abzutrennen. Das Zimmer habe ein Fenster. WikiLeaks-Mitarbeiter haben erklärt, eine Bräunungslampe gleiche den Mangel an Sonnenlicht aus. "Ich habe keine Küche gesehen, obwohl er - soweit ich weiß - Zugang zu einer Mikrowelle hat. Er hat Zugang zu einer Dusche. Ein Anhänger hat ihm ein Laufband geschenkt", sagte Smith. Eine Luftmatratze sei inzwischen durch ein echtes Bett ersetzt worden. "Das Wichtigste ist, dass er arbeiten kann." Assange könne Besucher empfangen und Sitzungen leiten. "Er kann tun, was er tun muss."

Die wunderbaren Leute in der Botschaft
Assanges Mutter Christine lobte in einem Telefongespräch mit Reuters aus Australien das Botschaftspersonal. Es seien wunderbare Leute, sagte sie. "Sie sorgen dafür, dass er gutes Essen hat und es warm und gemütlich hat." Sie telefoniere mit ihrem Sohn soweit möglich. Allerdings gingen sie davon aus, dass die Gespräche abgehört würden. "Wir können kaum etwas Persönliches austauschen", sagte sie. "Aber wir haben eine enge Beziehung."

Die Botschaft Ecuadors liegt im wohlhabenden Londoner Viertel Knightsbridge in einem sechsstöckigen Gebäude direkt neben dem Nobelkaufhaus Harrods. In dem Gebäude sind auch die Botschaft Kolumbiens und mehrere Privatwohnungen untergebracht. Die einzigen Außenanlagen sind Balkone. Seitdem Assange vor neun Wochen in der Botschaft Zuflucht gesucht hat, sind die Vorhänge der zur Straße zugewandten Fenster zugezogen.