(fez) Wer in zwanzig Jahren an seine Kindheit und Jugend zurückdenkt, wird einen Spielplatz besonders in Erinnerung haben: das Internet. Das virtuelle Leben prägt heute den Alltag in den Kinderstuben. Sind Kinder und Jugendliche reif für das Internet, oder müssten sie mehr über Risken und Gefahren wissen?

Solchen und ähnlichen Fragen gingen Wissenschafter im Auftrag der Europäischen Kommission nach. Das internationale Projekt EU Kids Online hat nun einen Bericht vorgelegt, der die Lage in verschiedenen EU-Ländern zusammenfasst und vergleichbar macht. Das Resultat für Österreich: Es wird nicht ganz so viel gesurft wie in anderen Ländern, der Umgang mit dem Internet ist allerdings signifikant sorgloser. In Frankreich und Deutschland sitzen Kinder und Jugendliche zwar länger und öfter vor einem Computerbildschirm, sind dabei aber besser behütet und informiert.


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EU Kids Online: National Persepectives
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Auffällig ist auch, dass viele junge Österreicher gar keinen Stand-PC mehr brauchen, um ins Netz zu gehen: 53 Prozent nutzen mobile Geräte, der europäische Durchschnitt liegt bei 34 Prozent. Das macht es vielen leicht, jederzeit online zu gehen und beispielsweise mit Freunden in Sozialen Netzwerken Kontakt zu halten. Die Eltern, resümmieren die Studien-Autoren, wüssten aber oft nicht Bescheid, welche Möglichkeiten Smartphones heutzutage bieten.

Täglich im Internet

51 Prozent der österreichischen Jung-User gehen täglich ins Internet. 24 Prozent nutzen ihre Geräte exzessiv, dieser Wert liegt aber unter dem europäischen Durchschnitt von 30 Prozent. Eines der größten Probleme sehen die Wissenschafter in der grassierenden Sorglosigkeit: Kinder und Jugendliche würden kaum Gefahren im Internet sehen, die User in anderen europäischen Ländern sind deutlich misstrauischer. Österreichische Eltern mischten sich auch seltener in den Internet-Konsum ihrer Kinder ein. Und würden typische Internet-Gefahren – Pornografie, Mobbing, Belästigung – eher unterschätzen.

Mehr mobile Sicherheit gefordert

Ingrid Paus-Hasebrink von der Universität Salzburg, die Leiterin von EU Kids Online Österreich, sieht aber nicht nur die Eltern gefordert: "Politik und Wirtschaft sind dazu aufgerufen, sichere Lösungen und Meldesysteme auch für den mobilen Bereich anzubieten. Darüber hinaus müssen Eltern, insbesondere jene aus bildungsfernen Schichten, verstärkt sowohl über die Risiken als auch über die Chancen mobiler Internetnutzung informiert werden." Die Wissenschafterin plädiert für umfassende Medienkampagnen und Workshops.