Beobachter, die Apple erst seit der Einführung des iPhones kennen, hauen wieder einmal kräftig auf die Pauke. Von einem Schicksalsauftritt von Tim Cook ist da Rede, vom riesigen Erwartungsdruck der Aktionäre etc. Tatsache ist, dass die Aktien um rund 40 Prozent nachgaben. Das freilich nach einem beeindruckenden Höhenflug. Wer die Apple-Geschichte kennt, nennt das Jammern auf einem hohen Niveau.

Tatsache ist schlicht und einfach, dass die Konkurrenz in mehrfacher Hinsicht aufgeholt hat. Die aktuellen Android-Geräte sind ebenso bedienerfreundlich wie die Tablets und Telefone der i-Reihe und müssen sich auch in puncto Design nicht mehr verstecken. Dazu kommt, dass Cupertino von meinungsbildenden Techno-Bobos längst nicht mehr als der Hort der Guten im Kampf gegen das böse Microsoft gesehen wird. Im Gegenteil. Seit die unwürdigen Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferern in fernost publik wurden, weist das Marketingprodukt Apple ein paar unübersehbare Flecken auf.

Anstelle eines Dominators ist der Markt nun von der Konkurrenz mehrerer interessanter Anbieter geprägt. Das dürfte sich auch nach der  Entwicklerkonferenz WWDC, die am Montag beginnt, nicht ändern. Das neue Betriebssystem iOS 7 für iPhone und iPad wird neben einer aufpolierten Oberfläche den Datenaustausch zwischen Apple-Geräten via WLAN vereinfachen. Für Anwender, die sich an den künstlichen Sperren der i-Geräte wie mangelnde USB-Unterstützung und fehlende Kartenslots stoßen, wird das allerdings auch nichts ändern.

Für wahrscheinlich halten Beobachter die Vorstellung eines neuen Macbooks Air für Reisende der Business-Klasse. Immerhin ist Apple ja auch noch ein Computerhersteller, und für professionelle Anwender sind Tablets in jeder Hinsicht unterdimensioniert. Eine Kombination, quasi ein iPadbook Air als Notebook mit Touchscreen, wäre für die Zielgruppe hingegen interessant. Die Konkurrenz hat derlei schon auf dem Markt:  Aspire P3 und Aspire R7 heißen die Kombinationen bei Acer. Im vierten Quartal werden die Taiwanesen dazu das leistungsstarke Transformer Book Trio anbieten.

Das neue Book dürfte neben einer wesentlich verlängerten Akkulaufzeit und schnellerem WLAN-Zugriff eine Facetime-HD-Kamera für Videokonferenzen bieten.

Bleibt der in der Szene bereits iRadio genannte Streamingdienst, bei dem man nicht einzelne Musikstück aussucht, sondern Stile einstellt. Das klingt nach einem interessanten Angebot für Restaurants und Cafés, - bloß existiert derlei längst in der Form von unzähligen Internet-Radios. Und die sind entweder werbefinanziert oder leben von kleinen Beiträgen der Hörer wie etwa das empfehlenswerte Radio Paradise.

In Summe scheint es so, dass Apple die großen Neuheiten nicht nächste Woche auf der WWDC, sondern erst im Herbst vorstellen wird. Die Entwicklerkonferenz wird wohl eher den Weg Apples vom Wunderwuzzihersteller zum normalen Marktteilnehmer dokumentieren. Aber wer weiß, vielleicht zaubert Tim Cook doch noch das elektronische Kaninchen aus dem Hut, auf das die Fans warten.