Was ist das Darknet?

Über das Schattennetz kursieren wilde Gerüchte: Drogen, Waffen, Kinderpornos, gefälschte Dokumente sind angeblich per Mausklick zu bestellen. Was nach einer Art Amazon für alles Illegale klingt, mag ein Teil der Darknet-Welt geworden sein. Im Grunde garantiert das Darknet aber nur einen anonymen und unzensurierten Austausch von Daten.

Wie funktioniert es?

Das Darknet ist ein Netz im Netz, eine Art Geheimkanal. Das dunkle Netz nützt die Kanäle des Internets, um darüber sein eigenes Netzwerk zu errichten.

Wie ist es entstanden?

Ins Leben gerufen wurde es von Regierungsorganisationen.

Wie benützt man es?

Jeder kann das Darknet verwenden, die benötigten Programme sind frei und legal im Internet verfügbar. Eines der gängigsten Darknet-Netzwerke ist Tor.

(https://www.torproject.org/)

Wie bleibt man anonym?

Anders als im herkömmlichen Internet, wo jeder User eindeutig anhand seiner IP-Adresse identifizierbar ist, garantiert Tor absolute Anonymität. Es ist nicht feststellbar, wer im Tor etwas herunterlädt, selbst der Standort von Websites lässt sich nicht zurückverfolgen. Der Trick besteht darin, dass die Anfrage an eine Webseite über viele Server weitergeleitet wird und jede Zwischenstation die Daten verschlüsselt. Das Prinzip ähnelt einer Zwiebel, die aus lauter nicht miteinander verbundenen Schichten besteht. Im Tor-Netz enden Seiten auf .onion.

Wie sieht es dort aus?

Es ist tatsächlich ziemlich dunkel. Die meisten Seiten sind schwarz, auf Webdesign wird kein gesonderter Wert gelegt, es gibt keine Werbung und es ist extrem langsam. Irgendwie erinnert das Dark-
net an die Anfangszeiten des Internets (siehe Abbildung).

Wie orientiert man sich?

Es gibt kein Google oder andere Suchmaschinen, ein häufig frequentierter Startpunkt ist das sogenannte Hidden Wiki, eine Art Telefonbuch des Darknet.

Wer benützt das Darknet?

Es ist im Grunde ein offenes Netzwerk für jeden. Politische Aktivisten sind hier vor der Kontrolle totalitärer Regime geschützt, Journalisten können heikle Rechercheergebnisse sicher ablegen, Whistleblower benutzten Tor für ihre Berichte, aber auch Konzern-Manager oder Regierungsmitglieder verwenden das Darknet zur strategischen Kommunikation. Ferner ist es der bevorzugte Arbeitsplatz von Hackern etwa der Gruppe Anonymous geworden. Auch Musik- und Filmpiraterie findet man zuhauf im Darknet. Natürlich hat sich der anonyme Raum auch zum Treffpunkt krimineller Organisationen entwickelt. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt beispielsweise, dass die Seite Silk
Road mit dem Verkauf von Drogen monatlich 1,9 Millionen US-Dollar einnimmt.

Wie wird bezahlt?

In den illegalen Shops des Darknet wird freilich nicht mit Kreditkarte oder Banküberweisung bezahlt, dadurch ließe sich leicht die Identität des Käufers nachweisen. Als Schattenwährung hat sich vielmehr der sogenannte Bitcoin durchgesetzt. Die virtuelle Währung gilt übrigens auch im herkömmlichen Internet und basiert auf einer Technologie, die nicht an Staaten oder Banken gebunden ist. Gehandelt wird das virtuelle Geld an eigenen Online-Börsen, derzeit liegt der Wert von einer Bitcoin bei 68 Euro oder 90 US Dollar.

Was macht die Polizei?

Noch steht das Darknet nicht ganz oben auf der Prioritätenliste der Beamten des Bundeskriminalamtes. Doch das neu eröffnete Cybercrime Center EC 3 in Den Haag soll das ändern. Künftig sind länderübergreifende Ermittlungen möglich.