Stichwort Objekte, das ist wieder etwas ungemein Erfreuliches, richtig Kreatives und Großes. Abhängig von Feiertagen oder saisonalen Festen und natürlich der Jahreszeit können Scheunen geschmückt, Tiere mit Nikolohauben, Einhörner in glänzenden Farben und allerlei Kleintier mit lustigen Verzierungen auf Äckern platziert werden. Ein wunderschöner Anblick für alle Gäste und Besucher des eigenen Bauernhofes. Im Sommer werden Cocktails gereicht, zu Halloween kann man sich vor Kürbissen nicht retten, ebenso wie vor Weihnachtskobolden im Winter, wenn auf den Dächern eine dicke Schneeschicht liegt. Dieser Bereich der bäuerlichen Arbeit ist ohnehin der schwierigste. Wie will man sich präsentieren? Welchen Eindruck sollen die anderen von einem selbst haben? Darf man wirklich als Prinzessin gekleidet auf seinem Acker werken? Würde ein Astronauten-Outfit nicht wesentlich innovativer, mutiger und vorwärtsdenkender wirken? Ein burgähnliches Gehöft wirkt in der heutigen Zeit eher abschreckend, ob sich jedoch die Welt über mehr Farbe und zuckerlrosa Scheunen wirklich mehr freut, kann auch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Das Leben als Bauer ist doch schwerer als gedacht – selbst in der virtuellen Welt.

In der virtuellen Welt? Ja, genau. Das hier beschriebene Szenario hat mit der Realität wohl wenig zu tun, doch ist es eines der beliebtesten – wenn man Fan ist – oder meistgehassten – wenn man den stetigen Einladungen und dem Dauerstress nichts abgewinnen kann. Es geht um "Farmville". Eines der ersten und wohl immer noch beliebtesten und legendärsten Spielen, die man im sozialen Netzwerk Facebook spielen kann. Millionen Menschen auf der ganzen Welt tummeln sich auf den virtuellen Feldern und haben mit Zusatzeinkäufen, natürlich um echtes Geld, die Entwicklerfirma Zynga reich gemacht. Hunderttausende Stunden werden jeden Tag am Acker verspielt, Milliarden Tiere gehegt und Objekte gebaut. Das Phänomen des virtuellen Ackerbaus hat auch dazu geführt, dass die Einladungen zum gemeinsamen Spielen bei Nichtinteressierten die Grenzen des Erträglichen überschritten haben. Aber so ist das Spielprinzip: Gemeinsam kann man schneller Aufträge erfüllen und Erfahrungspunkte sammeln. Auch wenn der große Boom vorbei zu sein scheint, "Farmville 2" konnte schon deutlich weniger Menschen begeistern, so wird das virtuellen Bauernleben wohl noch einige Zeit deutlich beliebter sein, als es die kräftezerrende Realität jemals werden könnte.

Artikel erschienen am 11. Oktober 2013
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal"