Wien. Die Möglichkeit, Amtsgeschäfte online zu erledigen, wird von immer mehr Österreichern genutzt. Derzeit gibt es 270.000 aktive Handy-Signaturen und "weit über 100.000 Nutzungen" im Monat, sagte Peter Kustor vom Bundeskanzleramt. Die vor mehr als zehn Jahren entwickelte kartenbasierte Variante der Bürgerkarte wird mit rund 150.000 Stück von der breiten Bevölkerung deutlich weniger angenommen.

Im Jahr 2010 wurde das Konzept Bürgerkarte auch über die Handy-Signatur, für die man lediglich ein empfangsbereites Mobiltelefon braucht, umgesetzt. "Die Handy-Signatur ist für die breite Bevölkerung attraktiver", sagte Kustor, Leiter der Abteilung E-Government Recht, Organisation und Internationales. Denn dafür wird - im Gegensatz zur kartenbasierten Variante - kein Kartenleser benötigt, der zwar nicht viel koste, den man aber "nicht ums Eck" bekomme. Monatlich kämen 10.000 bis 25.000 Signaturen dazu. Freischalten kann man die mobile Signatur etwa über Finanz Online, Online Banking oder in einer Registrierungsstelle. Auch der Mobilfunkanbieter A1 bietet nun kostenlos die Aktivierung der Handy-Signatur in ausgewählten A1 Shops an, wie das Unternehmen am Montag bekannt gab.

Mehr als 200 Anwendungen nutzbar
Mit der Signatur, die als elektronischer Ausweis dient, lassen sich mehr als 200 Anwendungen per Mausklick erledigen. So erhält man etwa Einblick ins Pensionskonto, eine Meldebestätigung oder einen Strafregisterauszug. Dokumente, Rechnungen oder Verträge können mit der Handy-Signatur elektronisch unterschrieben werden.

"Je mehr Anwendungen es gibt, umso attraktiver wird die Handy-Signatur", sagte Kustor. Steigende Nutzerzahlen erwartet man sich daher auch durch die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA). Das Abrufen der eigenen Gesundheitsdaten wird ausschließlich über Bürgerkarte bzw. Handy-Signatur funktionieren. Auch das geplante Demokratiepaket sehe in mehrerlei Hinsicht die Handy-Signatur vor. So sollen Unterstützungserklärungen für Bürgerinitiativen und Volksbegehren in Zukunft elektronisch möglich sein. In Wien können bereits bisher Petitionen elektronisch unterstützt werden.

Die ersten Schritte zur Bürgerkarte, die über eine Chipkarte - etwa über die E-Card - funktioniert, wurden im Jahr 2003 gesetzt. Diese Variante wird weit weniger genutzt. Unter die insgesamt etwa 150.000 Stück fallen sowohl aktive E-Cards von Privatkunden als auch Berufsgruppenausweise. Für professionelle Nutzerkreise lohne sich diese Variante sehr wohl, so Kustor, so sind etwa alle Notare, Rechtsanwälte und Ziviltechniker in Österreich mit der Bürgerkarte ausgestattet.